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„In sechs Wochen vom Whiteboard zum Dashboard“

12.01.2017

Im Rahmen einer Partnerschaft bieten T-Systems und die Roambee Corporation eine innovative Lösung für Transportüberwachung und nutzen damit das Internet der Dinge für eine intelligente Logistik. Ein Interview mit Sanjay Sharma, dem CEO von Roambee, zu dieser Partnerschaft.
Roambee-CEO Sanjay Sharma über die Partnerschaft mit T-Systems.
Roambee-CEO Sanjay Sharma über die Partnerschaft mit T-Systems.

Herr Sharma, Ihr Unternehmen Roambee lässt für das Internet der Dinge und Industrie 4.0 sozusagen Bienen fliegen, was hat es damit auf sich?

So nennen wir unsere IoT-Devices. Denn sie verhalten sich wie Bienen – sie schwärmen aus, werden an Containern oder sonst wo angebracht, sammeln dort fleißig Daten und bringen sie zurück auf unsere Cloud-Plattform, wo der Kunden, der Imker, sie auswerten kann.
Unsere Lösung besteht aus drei Komponenten: einem GSM/GPS-Modul (Global System for Mobile Communications/Global Positioning System), das Daten in die Cloud sendet. Zweitens einer Hardware-Plattform, die sich mit den verschiedensten Sensoren ausstatten lässt. Und drittens einer Batterie mit einem herausragenden Energie-Management, mit einer Lebensdauer von 90 Tagen bis zu sechs Jahren.

Diese Bienen schwärmen dann also mit den Gütern und Waren aus, an denen sie befestigt sind und erlauben „Track & Trace“. Einen derartigen Ansatz verfolgen ja viele Unternehmen derzeit.

Das stimmt, aber Roambee geht gleich zwei Schritte weiter. Erstens ist unsere Plattform offen und kann eine größere Fülle an Sensordaten integrieren, wie Informationen zu Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Erschütterung oder Feuchtigkeit der transportierten Waren. Wenn der Kunden andere Wünsche hat, zum Beispiel den Kohlendioxid-Gehalt dauerhaft messen will, ist das auch kein Problem – wir managen das. Noch wichtiger als diese Vielseitigkeit ist aber der zweite Schritt: Wir sammeln nicht nur die ganzen Sensordaten in Echtzeit, sondern sind anschließend in der Lage, diese mit den Daten aus anderen Datenströmen zu vermischen und daraus dann die Risiken auf der Reiseroute vorherzusagen. Wir können für unsere Kunden unter anderem eine Diebstahlwahrscheinlichkeit, die mögliche Verderblichkeit von Gütern sowie die geplante Ankunftszeit errechnen. Die Lösung lässt sich mit vorhandenen Geschäftsapplikationen – vor allem dem ERP (Enterprise Resource Planning) –kombinieren.

Beispielsweise?

Wir arbeiten mit großen Markenartiklern zusammen. Unternehmen, die riesige Warenmengen umschlagen. Für die ist es nicht nur wichtig zu wissen, wo ihre Güter in diesem Moment gerade sind, sondern auch, wann sie übergeben wurden. Hier kommen wir ins Spiel und können nach der korrekten Auslieferung sofort ans SAP-System signalisieren, dass der Rechnungslauf starten kann. Solche Firmen operieren zwar mit einer hohen Zahl an Gütern aber mit geringen Margen. Hier lässt sich mit unserer Unterstützung der Rechnungslauf deutlich verkürzen und somit der Cash-Flow optimieren. Wir sprechen hier von bis zu neun Tagen weniger Zeitaufwand.
the Bee device by Roambee
Die Dimensionen des Bee-Devices – nicht gerade so groß wie eine Biene, aber dennoch überraschend klein: 130 x 80 x 25 Millimeter. Das Gewicht beträgt ca. 170 Gramm.

Und diesen Ansatz verfolgen Sie auch für das Internet of Things und die Industrie 4.0.

Exakt, deshalb nenne ich IoT gerne auch „Integration of Things“ und nicht „Internet of Things“. Die gigantischen Datenmengen der Zukunft zu sammeln, ist das eine. Entscheidend wird jedoch sein, die Information vor allem mit dem ERP-System zu verknüpfen und daraus die richtigen Ableitungen zu treffen. Hier geht es in erster Linie um Risikomanagement und Predictive Analytics.

Bei diesem Ansatz kommt dann auch T-Systems ins Spiel?

Absolut. Unsere Kunden sind oft weltweit aufgestellt. T-Systems kann ihnen bessere Datentarife anbieten und für ein günstiges Roaming in 200 Ländern sorgen. Der zweite und besonders wichtige Wertbeitrag liegt darin, dass die Daten von den Bienen ja auch irgendwie in eine Cloud transportiert werden müssen. Hier fragen unsere Kunden verstärkt nach sicheren, hybriden Cloud-Infrastrukturen, die darüber hinaus – aufgrund möglich geringer Latenz – weltweit verfügbar sind. Auch dies ist ein Argument pro T-Systems. Und last but not least, fließen die Daten von den Sensoren zumeist in ein SAP-System – hier muss man nicht lange recherchieren, wer zu den weltweit leistungsstärksten SAP-Partnern gehört; da landet man schnell bei T-Systems.

Wie wird sich das Investment von T-Systems weiter auswirken?

Momentan sind wir in der Anlagenüberwachung und im Monitoring von Gütern sehr stark. Mit der IoT-Plattform von T-Systems werden wir aber in der Lage sein, unsere Services auch in vertikalen Branchen zu etablieren. Ich denke da etwa an das Monitoring von Aufzügen oder andere Arten von Predictive Maintenance.

Ist das auch der Grund, warum Sie im Zuge der Partnerschaft von AWS (Amazon Web Services) auf die Open Telekom Cloud gewechselt sind?

Richtig. Unsere Kunden wollen Offenheit im Sinne einer Cloud, die interoperabel ist. Eine Cloud, die sie mit zusätzlichen Services etwa von EMC oder Cisco anreichern können. Und hier ist der Ansatz der Telekom mit der Open Telekom Cloud deutlich vielversprechender.

Und was werden Sie mit Roambee in die Waagschale legen können?

Unser Motto lautet: in sechs Wochen vom Whiteboard zum Dashboard. Unsere Plattform benötigt keine Anlaufinvestition, ist einfach verständlich und lässt sich als Service schnell dazu buchen. Mit uns können die Kunden von T-Systems schnell in das IoT eindringen. Gerade Industrieunternehmen, die sich mit neuen Technologien mitunter schwertun, können daraus einen Nutzen ziehen. Sehr kostengünstig können diese Unternehmen Big Data und andere Technologien mit unserer Hilfe bündeln und einsetzen. Und als kleines Silicon Valley-Start-up wird T-Systems dabei sicher von unserer Geschwindigkeit profitieren, sodass wir bereits kommendes Jahr weitere Auslands-Märkte angehen werden.