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Das richtige Maß an Souveränität in RISE with SAP

Warum es wichtig ist, bei jedem SAP-Workload Compliance, Kosten und Cloud-Innovation aufeinander abzustimmen

16. März 2026Uwe Birkenhauer

Souveränität wird zur Chefsache

Geopolitische Spannungen, zunehmende Regulierung und die rasante Verbreitung von künstlicher Intelligenz (KI) verändern Europas digitale Agenda. Bereits  betrachten 83 % der Unternehmen digitale Souveränität  als wichtigen Wettbewerbsfaktor1. Gleichzeitig ist die SAP-Transformation unausweichlich. Führungskräfte fragen sich daher nicht mehr, ob sie in die Cloud wechseln sollen. Entscheidend ist wie:  Wie lassen sich Souveränität, Innovation und Kosteneffizienz in Einklang bringen, und zwar für jeden einzelnen Workload.

Das Ende von SAP ECC ist nicht die einzige Veränderung

Viele Unternehmen, die SAP verwenden, stehen vor einer zeitkritischen Herausforderung: Der Support (Mainstream Maintenance) für SAP ECC 6.0 läuft Ende 2027 aus, und die verlängerte Option (Extended Maintenance) bis 2030 ist mit Kosten und Risiken verbunden und bietet kein Innovationspotenzial.

Auch das SAP-Portfolio hat sich weiterentwickelt . Was früher  RISE with SAP hieß, nennt sich heute SAP Cloud ERP Private. Dahinter steckt ein Managed Private Cloud Service für SAP S/4HANA, der sich an Kunden richtet, die SAP bereits im Einsatz haben. Parallel dazu adressiert GROW with SAP Neukunden, die primär auf hohe Standardisierung und Software as a Service aus der Public Cloud setzen.

Wie bei jeder Veränderung entscheidet die Vorbereitung über den Erfolg. Zuerst wählen die Unternehmen den Ansatz: Greenfield (Neuimplementierung), Brownfield (Systemkonvertierung) oder Hybrid (selektive Migration). Danach legen sie das Ziel fest: Public, Private oder Hybrid Cloud. Wichtig ist außerdem, vorher den Ballast abzuwerfen: Veraltete Systeme abschalten, überholte Prozesse streichen und unnötige Daten bereinigen, bevor die Migration startet. 
 

Souveränität bedeutet Kontrolle, nicht Isolation

Digitale Souveränität wird oft missverstanden. Manche setzen sie mit der Abkehr von globalen Plattformen gleich. Tatsächlich bedeutet sie etwas anderes: Unternehmen behalten die Kontrolle darüber, wer unter welchen Bedingungen auf welche Daten zugreifen darf.

In SAP-Landschaften stützt sich diese Souveränität meist auf drei Säulen:

  • Standort der Daten: Für Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen ist entscheidend, wo ihre Daten liegen – Wichtig ist die Aufbewahrung und Verarbeitung der Daten in der EU oder in Deutschland
  • Gesetzlicher Rahmen: Der Standort allein reicht nicht. Auch der Anbieter muss europäischen Regeln und Offenlegungspflichten unterliegen.
  • Betriebliche Verantwortung: Ebenso wichtig ist der Betrieb der Systeme: Wer administriert die SAP-Systeme? Wer hat Zugriff? Und wie werden Support und Administration kontrolliert? 93 % der deutschen Unternehmen bezeichnen sich als abhängig von ausländischen digitalen Technologien.2 Souveränität schließt globale Partner nicht aus, sondern gibt Unternehmen Wahlmöglichkeiten und strategische Autonomie.

Vorschriften verändern die Cloud-Architektur

SAP System Software Automation – Konzeption auf virtuellem Display im Rechenzentrum.

Warum ist Souveränität gerade jetzt so wichtig? Ein Grund liegt auf der Hand: die zunehmende Regulierung. Europäische SAP-Anwender bewegen sich heute in einem dichten Netz aus Vorschriften. Unternehmen, die  personenbezogene Daten verarbeitet – also praktisch jeder SAP HR-Anwender – muss Regeln wie z.B.  DSGVO, NIS-2, DORA, KRITIS oder Vorgaben des BSI einhalten. Diese Anforderungen beeinflussen direkt, wie Unternehmen ihre Cloud-Architektur gestalten.  
Viele Unternehmen spüren diese Unsicherheit bereits. 45 % der SAP-Anwender sorgen sich, wenn sie wichtige Aufgaben in der Public Cloud erledigen – vor allem wegen Sicherheit und den Datenschutz.3

Doch Regulierung ist nur ein Teil der Entwicklung. Auch geopolitische Veränderungen spielen eine zunehmende Rolle. Die Welt bewegt sich in Richtung einer multipolaren Ordnung. Gleichzeitig hängt Europas wirtschaftliche Stärke immer mehr von technologischer Unabhängigkeit ab. Wer vor allem auf Anbieter außerhalb Europas setzt, begibt sich in strukturelle Abhängigkeiten. Deren Folgen lassen sich kaum abschätzen, besonders in Zeiten politischer Spannungen. Technologie ist deshalb längst mehr als ein Wachstumsfaktor. Sie bildet die Grundlage unternehmerischer Souveränität. Unternehmen brauchen heute KI-Funktionen, sichere Datenflüsse und eine belastbare Cloud-Infrastruktur.

Darum sind Entscheidungen zur Cloud-Architektur nicht nur eine Frage der Compliance. Sie sind strategische Weichenstellungen für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. In regulierten Branchen, etwa öffentliche Verwaltung, Banken, Versicherungen oder im Energiesektor, ist der Druck noch größer. Wer sich früh mit dem Thema Souveränität beschäftigt, vermeidet später aufwendige Umbauten, schwierige Vertragsfragen und teure Korrekturen im Betrieb.

Die entscheidende Frage ist: Wie viel Souveränität braucht welcher Workload?

Der strategische Durchbruch entsteht, wenn sich die Perspektive ändert: weg von der Frage „Public oder Private Cloud?“ – hin zu „Welches Maß an Souveränität braucht der einzelne Workload?“ Nicht jedes SAP-System verlangt ein hohes Maß an Souveränität. Ein Entwicklungssystem mit anonymisierten Daten birgt ein deutlich geringeres Risiko als ein produktives Finanzsystem mit buchungsrelevanten Echtzeitdaten. Für Daten zur Personalabrechnung gelten strengere Anforderungen als für Lagerbestände. Es geht also nicht um die Frage „Souveränität oder nicht?“, sondern darum, wie viel Souveränität ein bestimmter Workload braucht.Dieser Perspektivwechsel verändert die Planung von RISE. Souveränität wird zu einem zentralen Gestaltungsprinzip der Transformation:

  • Geschäftstransformation: Welche Prozesse und Daten sind am wichtigsten?
  • Betriebsmodell: Wer trägt Verantwortung? Wie laufen Support, SLAs und Reaktion auf Vorfälle?
  • Infrastruktur: Welche Workloads laufen in der Public Cloud, welche in der Private Cloud oder in hybriden Modellen? 

Wer diese Fragen früh klärt, legt das Fundament für eine erfolgreiche Transformation.
 

Multi-Cloud: maximale Souveränität, optimierte Kosten

Hyperscaler wie AWS, Azure und Google Cloud bieten globale Reichweite, umfangreiche Service-Ökosysteme und ein hohes Innovationstempo. Für weniger kritische Workloads sind sie oft die beste Wahl. Bei sensiblen oder regulierten Workloads kann es  Probleme geben, vor allem bei Souveränität und operativer Kontrolle. Denn die US-amerikanischen Muttergesellschaften dieser Anbieter unterliegen gesetzlichen Offenlegungspflichten, die nicht mit europäischen Datenschutzrichtlinien vereinbar sind., etwa dem CLOUD Act.

Eine Multi-Cloud-Strategie löst dieses Dilemma: Sie verbinden die Vorteile beider Welten und ordnet jeden Workload der passenden Umgebung zu. Gleichzeitig verbessert sich die Kostendisziplin. Nicht jeder Workload gehört in eine souveräne Private Cloud – das wäre oft unnötig und teuer. Umgekehrt kann es riskant sein, alle Daten ausschließlich bei einem Hyperscaler zu speichern. Die Multi-Cloud-Strategie schafft den Ausgleich: maximale Souveränität, wo sie nötig ist und optimierte Kosten für alle anderen Workloads.

Der souveräne Weg zu RISE with SAP

Uwe Birkenhauer von T-Systems und Jan Krueger von Intel Corporation erklären, wie europäische Anforderungen an Datenresidenz und Datenhoheit die Cloud Strategien von Kunden beeinflussen, welche Kriterien bei der Auswahl der richtigen Infrastruktur für RISE with SAP entscheidend sind und welche praktischen Schritte nötig sind, um eine rechtskonforme und leistungsstarke Cloud ERP Zukunft zu sichern.

Ein Drahtseilakt für CIOs: Kosten, Kontrolle, Kapazitäten

Jede Cloud-Strategie bewegt sich zwischen drei Faktoren: Funktionalität undSkalierbarkeit, Kosten sowie Souveränität und Sicherheit. 75 Prozent der Unternehmen betrachten Skalierbarkeit als entscheidend für den Erfolg ihrer Cloud-Transformation. Gleichzeitig nennen 84 Prozentdie Vorhersagbarkeit der Cloud-Kosten als größte Herausforderung.4

Der praktikabelste Weg ist daher ein workloadbasierter Ansatz. Unternehmen ordnen ihre Workloads nach Sensibilität und Skalierbarkeit. EinBeispiel: Ein KI-Chatbot für eine öffentliche FAQ-Seite verarbeitet in der Regel keine sensiblen Daten, muss aber skalieren können.. Solche Anwendungen laufen meist am besten auf Hyperscaler-Umgebungen. . Anders ein SAP-Finanzmodul. Es arbeitet  mit hochsensiblen Daten, benötigt aber nur begrenzte Skalierung. In vielen Fällen passt dafür eine souveränen Private Cloud besser. Noch strenger sind die Anforderungen etwa bei der Digital Health ID. Hier geht es um hochsensible persönliche Daten,  Sovereignty by Design ist deshalb unverzichtbar. 

Mit diesem Ansatz wird Souveränität greifbar. Sie bleibt kein abstraktes Prinzip, sondern wird zur konkreten Architektur- und Beschaffungsentscheidung.
 

Vom souveränen ERP-System zur souveränen KI mit der Industrial AI Cloud

Mit der rasanten Verbreitung von KI gewinnt die Debatte über digitale Souveränität weiter an Gewicht. Fast 80 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI ein.  Gleichzeitig konzentriert sich die Rechenleistung stark: 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität liegen in den USA, etwa 14 Prozent in China und nur etwa 5 Prozent in Europa.5

Dieses Ungleichgewicht zeigt eine strukturelle Abhängigkeit. Europäische Unternehmen sind bei kritischen digitalen Infrastrukturen und KI weiterhin  stark auf US- Anbietern angewiesen. Dabei verfügt Europa über große Stärken: industrielles Know-how, hochwertige Branchendaten und fundiertes technisches Fachwissen. Was bisher fehlt, ist eine souveräne und zugleich skalierbare KI-Infrastruktur innerhalb des europäischen Rechtsrahmens.

KI stellt hohe technische Anforderungen. Training und Inferenz benötigen große GPU-Kapazitäten, geringe Latenz und sichere Datenumgebungen. Ohne eine solche Infrastruktur bleibt Innovation abhängig von externen Plattformen. 

Hier setzt die  Industrial AI Cloud (IAIC) an. Sie stellt  umfangreiche GPU-Ressourcen bereit, die in Deutschland gehostet und nach EU-Recht betrieben werden. Damit schafft sie die technologische Grundlage für industrielle KI-Wertschöpfung in Europa.

Durch die Integration der IAIC in die SAP Business Technology Platform (BTP) können Unternehmen SAP-KI-Workflows und die AI Foundation souverän nutzen. KI lässt sich so direkt in zentrale Geschäftsprozesse integrieren, bei gleichzeitigem Schutz sensibler Daten innerhalb Deutschlands.  Auch Thomas Saueressig, Chief Customer Officer von SAP betont den Perspektivwechsel: „Es geht darum, das Narrativ zu verändern und statt des Risikos, die Chancen zu sehen.“6

Damit wird auch die nächste Herausforderung bei RISE with SAP deutlich: Die Modernisierung von ERP-Systemen bildet nicht nur die Grundlage für die Cloud-Transformation, sondern auch für den Einsatz von KI im industriellen Maßstab.
 

Planen Sie Ihr RISE with SAP Projekt mit dem richtigen Partner

Multi-Cloud-Strategien verlangen mehr als nur Technologie. Sie verlangen operative Exzellenz. Bei einer maßgeschneiderten RISE with SAP-Option bleibt  SAP Ihr Vertragspartner für die Bereitstellung und Lizenzen. Betrieb und Services übernimmt jedoch ein zertifizierter RISE with SAP Premium Supplier. . Mit dem richtigen Partner wird Souveränität zur Praxis. Dazu gehören Hosting-Modelle, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, klar geregelte Zugriffsrechte, relevanten Zertifizierungen und durchgängiger Betrieb für RISE-, Non-RISE- und sogar Non-SAP-Umgebungen.

Entscheidend ist Konsistenz im Betrieb. Unternehmen  brauchen ein einheitliches Betriebsmodell, klare SLAs und ein zuverlässiges Incident Management. Workloads werden dabei der passenden Plattform zugeordnet, ohne Abstriche bei Compliance, Leistung oder Verantwortlichkeit. Jede Umstellung auf SAP Cloud ERP verläuft anders. Deshalb sollten Unternehmen zentrale Entscheidungen früh treffen:  

  • Migrationsweg festlegen
  • Workloads nach Souveränitätsanforderungen klassifizieren
  • Architektur, Betrieb und Kostenstruktur miteinander abstimmen

Ebenso wichtig ist die Wahl des richtigen Partners – eines Partners, der Souveränität nicht nur verspricht, sondern im täglichen Betrieb sicherstellt.
Unternehmen, die Souveränität von Anfang an in ihre Architektur einplanen, gewinnen mehr als nur Rechtssicherheit. Sie erlangen Kontrolle, Kostentransparenz, Innovationskraft und strategische Flexibilität in einer zunehmend unsicheren Welt.

Wenn Sie Ihre RISE with SAP-Transformation zu SAP Cloud ERP Private vorbereiten, SLAs neu verhandeln oder Ihr Betriebsmodell neu ausrichten wollen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Weichen zu stellen.

Zur Person
Porträt: Uwe Birkenhauer, Head of SAP Portfolio Management bei T-Systems

Uwe Birkenhauer

Leiter SAP Portfolio Management, T-Systems International GmbH

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Fußnoten

1 Digital Resilience made in Europe, Eurocloud Pulse Check, September 2025, online

2 Europe’s Path to Digital Sovereignty, Bitkom, November 2025, online

3 Cloud Solutions on the Rise, DSAG-ASUG-UKISUG-JSUG Survey, Dezember 2025, Bericht

4 State of the Cloud Report, Flexera, 2025, Bericht

5 The 2025 AI Index Report, Stanford University Human-Centered Artificial Intelligence, April 2025, Bericht

6 Deutschlands erste KI-Fabrik für die Industrie geht in München offiziell in Betrieb, Deutsche Telekom, Februar 2026, Pressemitteilung
 

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