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Digitale Souveränität als kritischer Erfolgsfaktor


27. April 2026Eduard Kowarsch

Was bedeutet Digitale Souveränität?

Der Begriff „digitale Souveränität“ hat, obwohl sie ein zentraler Aspekt der digitalen Transformation ist, keine einheitliche Definition. Am ehesten könnte man sie als Möglichkeit zur selbstbestimmten Gestaltung und Nutzung von Daten und Informationstechnologie durch Staaten, Organisationen, Gesellschaften, Unternehmen und Einzelpersonen beschreiben. Konkrete Maßnahmen oder Mittel, um diesen Zustand auf allen Ebenen zu erreichen, gibt es zurzeit noch keine, das Thema gewinnt durch die zunehmende Adaption von KI und Cloud-Technologien in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft jedoch an Bedeutung.

Digitale Souveränität bedeutet, dass Daten und Informationstechnologie so eingesetzt werden können, dass dies zu den Zielen und Werten eines Unternehmens, eines Landes oder einer Gemeinschaft wie der EU passt. Ein weiterer wichtiger Teil der digitalen Souveränität ist die Unabhängigkeit von nicht in der EU angesiedelten Ressourcen, wenn beispielsweise auf „fremde“ Anwendungen zurückgegriffen werden muss oder Informationen auf außerhalb der EU befindlichen Cloud-Servern gespeichert werden sollen. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Datenspeicherung und Anwendungen spielen hier die größte Rolle, da non-EU Anbieter nicht den denselben Vorgaben und Richtlinien zum Datenschutz unterworfen sind.

Der dritte große Aspekt der digitalen Souveränität betrifft eben jene gesetzlichen Vorschriften und Regulierungen. Bei Nichteinhaltung von Vorgaben wie der DSGVO drohen Unternehmen in der EU empfindliche Strafen, ganz zu schweigen vom Vertrauensverlust bei Kunden und Geschäftspartner durch fehlende Compliance. Das betrifft auch interne Standards, die für den Schutz kritischer Informationen, etwa geistiges Eigentum oder sensibler Personal- und Finanzdaten, sorgen sollen.
 

Gründe und Treiber der digitalen Souveränität

Alle diese Punkte beschäftigen neben den nationalen Gesetzgebern und EU-Gremien auch die Unternehmen, wie eine aktuelle Studie von zeigt. Für die Studie wurden 550 Top-Führungskräfte zum Thema digitale Souveränität befragt. 87 Prozent gaben an, diese sei ein wichtiger Bestandteil bei der Umsetzung von Initiativen zur digitalen Transformation ihrer Firma.

Fast alle der befragten Unternehmen hegten zum Beispiel die Befürchtung, Daten könnten, unter anderem durch einen Hackerangriff, manipuliert oder missbraucht werden. 86 Prozent hatten Bedenken, von einer Technologie und damit einem Anbieter abhängig zu werden, dem sogenannten Vendor-Lockin. Parallel dazu waren unvorhergesehene Preiserhöhungen durch den Anbieter bei 91Prozent der befragten Führungskräfte ein Thema.

Diese Punkte spiegeln sich auch in den Faktoren wider, die Pläne und Initiativen zur digitalen Souveränität vorantreiben. 87 Prozent der Befragten gaben an, die Unabhängigkeit von Plattform- und Infrastruktur-Anbietern sei wichtig oder sehr wichtig, bei der Unabhängigkeit von Software- und SaaS-Anbietern traf das auf 85 Prozent der Unternehmen zu.

Datenschutz und Absicherung von Systemen und Infrastruktur wiederum betrifft insbesondere die Einhaltung von Compliance-Vorschriften – und zwar sowohl durch den Gesetzgeber als auch durch interne Gremien. Größter Treiber der Überlegungen zur digitalen Souveränität ist daher die Einhaltung gesetzliche Vorgaben und Regulierungen. Dies gilt sowohl für EU-Verordnungen (90 Prozent) als auch für nationale Gesetzgebung (87 Prozent), die für die Firmen eine wichtige oder sehr wichtige Rolle spielen. 85 Prozent bezeichneten darüber hinaus die Stärkung des Vertrauens von Kunden und Lieferanten als wichtigen oder sehr wichtigen Punkt, der eng mit Datensicherheit verknüpft ist.
 

Ziel und Herausforderungen der digitalen Transformation und Souveränität

Betrachtet man, welche Ziele Organisationen durch die Digitalisierung erreichen wollen und mit welchen Herausforderungen sie sich dabei konfrontiert sehen, wird klar, warum digitale Souveränität erfolgskritisch ist und jedenfalls in die Überlegungen miteinbezogen werden sollte. Eines der wichtigsten Ziele war die Optimierung der Customer Experience, gefolgt von der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Langfristig soll durch die Digitalisierung auch die Basis für Entscheidungsfindung und Prognosen verbessert, sowie die Flexibilität des Unternehmens gesteigert werden. Dass durch die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen auch Kosten eingespart und die Effizienz erhöht werden sollen, versteht sich ohnehin von selbst.

Herausforderungen sahen die befragten Führungskräfte vor allem im Bereich der Sicherheit digitaler Lösungen – 86 Prozent sagten, sie stünden dieser skeptisch oder sehr skeptisch gegenüber. 80 Prozent gaben an, unerwartete Kostensteigerungen beim Wechsel oder der Implementierung einer digitalen Lösunge bereite ihnen Kopfzerbrechen. 84 Prozent sahen Risiken durch die sogenannte „Schatten-IT oder KI“, also Lösungen, die nicht den Vorgaben entsprechen und von Mitarbeitern ohne Wissen der IT genutzt werden. Alle diese Herausforderungen können durch digitale Souveränität beseitigt werden.
 

Komplexe Anforderungen an digitale Lösungen

Um das Ziel „digitale Souveränität“ erreichen zu können, müssen die im Unternehmen eingesetzten Lösungen zahlreiche Kriterien erfüllen. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte gab etwa an, dass der jeweilige Anbieter mit der Lösung alle Anforderungen der DSGVO erfüllen müsse. Für mehr als ein Drittel war von großer Bedeutung, dass die Datenspeicher nicht nur innerhalb der EU, sondern im jeweiligen Land stationiert sind. 51 Prozent sagten, sie würden Wert darauflegen, dass ihre digitalen Lösungen nach allen relevanten Sicherheitsstandards zertifiziert werden können. Und für 44 Prozent war wichtig, die Unternehmensdaten jederzeit exportieren oder löschen zu können.
 

Balanceakt digitale Souveränität

Organisationen sollten daher gut abwägen, inwieweit sie Initiativen zur digitalen Souveränität umsetzen wollen. Denn, obwohl diese die Einhaltung von Compliance-Vorschriften vereinfacht und dem Unternehmen einige Vorteile bringt, sind damit auch Risiken verbunden, die von den Befragten durchaus korrekt eingeschätzt wurden. 90 Prozent der Führungskräfte befürchteten zum Beispiel Zusatzkosten durch ein solches Projekt. 87 Prozent hegten Bedenken wegen eines höheren Verwaltungsaufwands, 86 Prozent zusätzlich auch wegen steigender Komplexität in der Produktion oder Bereitstellung ihrer Services. All dies kann zutreffen und sollte bei der Entwicklung einer Strategie zur digitalen Souveränität berücksichtigt werden. Die Umsetzung dieser Strategie ist also stets ein Kompromiss zwischen dem notwendigen Maß an Souveränität, der Nutzung innovativer Technologien, globaler Skalierbarkeit und erwarteter Kosten.

Infolgedessen haben nur sehr wenige Firmen bereits konkrete Maßnahmen in diese Richtung gesetzt, der Großteil befindet sich noch in der „Planungsphase“. So planen zwar 67 Prozent der Unternehmen einen Umstieg von einem Cloud-Anbieter auf interne IT-Infrastruktur, aber nur neun Prozent der Befragten haben dies bereits realisiert. 47 Prozent wollen zukünftig von einer proprietären Software auf eine Eigenentwicklung umstellen, durchgeführt haben dies bisher bloß 28 Prozent der Studienteilnehmer. Im Bereich KI wollen 58 Prozent künftig zu einem Anbieter aus der EU wechseln, getan haben dies erst zehn Prozent.

Ein externer Partner wie T-Systems, der über langjährige Erfahrung bei der Umsetzung digitaler Souveränität verfügt, kann an dieser Stelle die notwendige Unterstützung bieten. Unsere Experten stehen Ihnen bei der Analyse und Erstellung des Anforderungskatalogs, der Auswahl geeigneter Lösungen sowie der Implementierung und regelmäßigen Überprüfung beratend zur Seite.

Das alles zeigt, dass digitale Souveränität für Organisationen immer mehr an Bedeutung gewinnt, um weiterhin wettbewerbsfähig bleiben und Regulierungsvorschriften einhalten zu können. Noch gibt es allerdings kaum Erfahrungswerte, welche Strategien erfolgversprechend sind und welche Maßnahmen am besten dafür geeignet – viele Unternehmen befinden sich erst in der Anfangsphase ihrer Überlegungen zu diesem Thema. Dennoch sollte jedes Unternehmen digitale Souveränität auf der Agenda haben.

Wenn Sie mehr über digitale Souveränität, ihre Bedeutung und den aktuellen Stand der Dinge wissen wollen, können Sie das White Paper „CxO Umfrage digitale Souveränität in der EU“ hier herunterladen. Erfahren Sie außerdem, wie Cloud-Anbieter den Wunsch nach digitaler Souveränität erfüllen wollen und wie ein externer Partner Sie auf Ihrem Weg unterstützen kann.

CxO-Umfrage – digitale Souveränität in der EU

Lesen Sie in dieser CxO-Umfrage, wie sich die zunehmende Anwendung von Cloud und KI mit digitaler Souveränität in Einklang bringen lässt.

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Eduard Kowarsch

Manager Cloud Services, T-Systems Austria

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