Die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz stand unter dem Leitmotiv „Under Destruction“. Diskutiert wurden militärische Abschreckung, geopolitische Machtverschiebungen und die Zukunft transatlantischer Beziehungen. Doch jenseits klassischer Sicherheitsfragen wurde ein Punkt besonders deutlich: Europas Fähigkeit, im 21. Jahrhundert handlungsfähig zu bleiben, entscheidet sich zunehmend im Digitalen. Digitale Souveränität ist dabei kein abstraktes Schlagwort mehr. Sie ist eine strategische Voraussetzung für wirtschaftliche Stärke, industrielle Resilienz und politische Autonomie.
Heute stammen über 80 Prozent der in Europa genutzten digitalen Schlüsseltechnologien von Anbietern außerhalb der EU. In einer Welt, in der technologische Dominanz gezielt als geopolitisches Druckmittel eingesetzt wird, ist diese Abhängigkeit mehr als ein ökonomisches Problem. Sie betrifft kritische Infrastrukturen, industrielle Wertschöpfung und staatliche Entscheidungsfähigkeit.
Wer über hybride Bedrohungen, die Resilienz von Lieferketten oder die Einsatzfähigkeit moderner Streitkräfte spricht, muss zwangsläufig auch über Cloud-Infrastrukturen, Datenhoheit und Künstliche Intelligenz sprechen. Die nächste Krise entscheidet sich nicht allein auf dem Gefechtsfeld, sondern in Rechenzentren, Plattformarchitekturen und der Frage, wer im Ernstfall Zugriff und Kontrolle über digitale Systeme besitzt.
Digitale Souveränität wird häufig missverstanden. Sie bedeutet nicht Autarkie um jeden Preis oder den Rückzug aus globalen Innovationsökosystemen. Im Gegenteil: Souveränität beschreibt die Fähigkeit, modernste Technologien zu nutzen, ohne die Kontrolle über Daten, Prozesse und Entscheidungen zu verlieren. Anwendung von Spitzentechnologie, aber in einem souveränen Rahmen.
Gerade im Zeitalter der KI ist dieser Anspruch zentral. KI-Systeme greifen tief in Geschäftsmodelle, Produktionsprozesse und Lieferketten ein. Sie verarbeiten hochsensible Industrie-, Personen- und sicherheitsrelevante Daten. Ohne eine souveräne Cloud wird KI zur strategischen Verwundbarkeit.
Souveränität beschreibt die Fähigkeit, modernste Technologien zu nutzen, ohne die Kontrolle über Daten, Prozesse und Entscheidungen zu verlieren.
Thomas Saueressig, Vorstandsmitglied für Customer Services and Delivery bei SAP
Dass digitale Souveränität praktisch umsetzbar ist, zeigt der europäische Ansatz der Industrial AI Cloud. In der Zusammenarbeit von SAP und Deutsche Telekom entsteht eine Plattform, die industrielle KI mit klaren Prinzipien von Kontrolle, Sicherheit und Rechtskonformität verbindet.
Beide Partner bringen dabei komplementäre Stärken ein: Mit ihrer führenden Kompetenz für Unternehmenssoftware, liefert SAP die Plattform (PaaS), Prozessintegration und angewandte KI, die Telekom unterstützt als starker europäischer Infrastruktur- und Cloud-Anbieter. Das Ergebnis ist keine theoretische Vision, sondern eine produktive Lösung für Unternehmen und öffentliche Institutionen.
Zentrale Elemente sind:
Die Industrial AI Cloud ist mehr als ein Technologieangebot. Sie ist ein industrie- und sicherheitspolitisches Instrument. Sie ermöglicht es europäischen Unternehmen, KI produktiv einzusetzen, ohne neue strategische Abhängigkeiten zu schaffen. Gleichzeitig stärkt sie die Resilienz kritischer Sektoren – von Energie über Logistik bis zur öffentlichen Verwaltung.
Gerade Europas industrielle Stärke liegt in der Verbindung von Software, Ingenieurskunst und Industriedaten. Angewandte KI in einem souveränen Rahmen wird damit zur Grundlage von Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit im globalen Systemwettbewerb.
Digitale Souveränität braucht Investitionen, industrielle Kooperationen und den Mut zu strategischen Entscheidungen. Partnerschaften wie die zwischen SAP und der Telekom zeigen, dass Europa die technologischen Voraussetzungen bereits besitzt.
Die Aufgabe ist nun klar: industrielle KI konsequent skalieren, europäische Cloud-Ökosysteme stärken und Sicherheit als Führungs- und Standortfaktor begreifen. Die Münchner Sicherheitskonferenz hat diesen Wendepunkt markiert.