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Von der KI-Fabrik zur AI Gigafactory

Wir treiben den Ausbau souveräner KI-Infrastruktur voran

Publikationsdatum
10. September 2026
Lesedauer
6 Minuten Lesezeit

Die nächste Ausbaustufe im Blick

Auf der DIGITAL X hat Tim Höttges ein klares Signal gesendet: Die Telekom arbeitet an einer Bewerbung für eine von der EU geförderte AI Gigafactory und ist bereit, dafür eine Milliardeninvestition zu tätigen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Wir arbeiten intensivst an dieser Ausschreibung und an dieser Bewerbung. Am Geld soll es nicht scheitern“, sagte unser Vorstandsvorsitzender. Für ihn ist digitale Souveränität vor allem eine Frage der Handlungsfähigkeit. Und er hat recht. Europa braucht diese Infrastruktur – für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und die digitale Zukunft.

Vertrauenswürdige Infrastruktur als Grundlage

Wie groß der Bedarf ist, zeigt unsere Industrial AI Cloud in München: Die KI-Fabrik ist bereits größtenteils ausgebucht. Deshalb bauen wir ihre Kapazitäten weiter aus. Der nächste Schritt ist klar: KI, Cloud und Daten müssen in industrielle Wertschöpfung übersetzt werden – sicher, souverän und mit voller Kontrolle über unsere digitale Zukunft.

Auf der DIGITAL X im Kölner Rheinauhafen haben wir unter dem Motto „Navigate What’s Next“ darüber diskutiert, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die nächste technologische Welle kommt. Sie ist bereits da. Entscheidend ist, ob wir nur mitschwimmen – oder selbst den Kurs bestimmen.

Dazu gehört vor allem Souveränität. Sie ist kein abstraktes politisches Ziel und kein europäischer Selbstzweck. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen ihre Daten kontrollieren, technologische Abhängigkeiten beherrschen und Innovationen langfristig selbstbestimmt nutzen können. Wer in Europa skalieren will, braucht vertrauenswürdige Infrastruktur, lokale Kontrolle und klare Governance.
 

Souveränität heißt Wahlfreiheit

Souveränität bedeutet dabei nicht Abschottung. Europa wird technologisch nicht stärker, indem es sich von Innovationen aus anderen Teilen der Welt abkoppelt. Wir brauchen die besten Technologien und starke globale Partner.

Souveränität bedeutet für mich Wahlfreiheit. Unternehmen müssen selbst entscheiden können, welche Daten wo liegen, wer darauf zugreifen darf, welche Abhängigkeiten sie bewusst eingehen und welche Workloads aufgrund ihrer Kritikalität einen besonders hohen Grad an Kontrolle benötigen. Public, Private, Edge und souveräne Cloud-Modelle können deshalb nebeneinander bestehen. Entscheidend ist, für jede Anwendung die richtige Umgebung zu wählen.

Genau dafür gibt es unsere T Cloud. Sie verbindet leistungsfähige Cloud-Funktionalität mit unterschiedlichen Souveränitätsgraden und bildet das Rückgrat unseres digitalen Ökosystems. Gleichzeitig öffnen wir dieses Ökosystem für Partner. ServiceNow kommt auf die T Cloud und ist zugleich mit unserer Industrial AI Cloud verbunden.
 

Industrielle KI eröffnet neue Chancen

Europa wird nicht dadurch zum KI-Champion, in dem wir versuchen, andere Regionen eins zu eins zu kopieren. Wir müssen unsere eigenen Stärken ausspielen. Eine dieser Stärken liegt direkt vor unserer Haustür: unsere industrielle Basis.

Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie, Pharma, Logistik, Robotik und Engineering verfügen über enormes Prozesswissen und wertvolle Daten. Mit Agentic AI und Physical AI entsteht jetzt die Chance, dieses Wissen mit einer neuen Generation von KI zu verbinden. KI kann Entwicklungszyklen beschleunigen, Maschinen vorausschauend warten, Produktionsabläufe simulieren, Roboter intelligenter machen und ganze Prozesse automatisieren.

Dafür reicht es nicht, nur Modelle zu haben. Europas bestehende KI-Infrastruktur reicht für den nächsten Wachstumsschub nicht aus. Genau hier setzt unsere Industrial AI Cloud in München an.

Entscheidend ist dabei nicht allein die Rechenpower. Wir bringen Konnektivität, Rechenzentren, Compute, T Cloud und NVIDIA sowie Plattformen von SAP und ServiceNow, Security und die Anwendungsebene in einem sicheren und souveränen KI-Stack zusammen – von der Verbindung bis zur Applikation.

Das ist der Unterschied zwischen Infrastruktur als Selbstzweck und Infrastruktur als Grundlage für Wertschöpfung.

Ferri Abolhassan, CEO T-Systems und Mitglied des Vorstands Deutsche Telekom

Europa muss nicht entscheiden, ob es Innovation oder Souveränität will. Wir brauchen beides.

Dr. Ferri Abolhassan, CEO T-Systems und Vorstandsmitglied Deutsche Telekom

Jetzt muss KI in die Fabriken und Prozesse

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht, wie viele GPUs wir betreiben. Die wichtigste Frage lautet: Was machen unsere Kunden damit?

Auf der DIGITAL X wurde das greifbar. Gemeinsam mit Partnern arbeiten wir an konkreten Anwendungen für moderne Fabriken, Predictive Maintenance, Simulation und Physical AI, Forschung in Chemie und Pharma, digitale Krankenhaus-Services, Cybersecurity, digitale Bürgerdienste und europäische Sprachmodelle.

Mit Wandelbots zeigen wir beispielsweise, wie industrielle KI und Robotik zusammenspielen können. Das ist erst der Anfang. Wenn Automatisierung, Robotik und KI die Produktivität deutlich erhöhen, kann industrielle Wertschöpfung in Europa wieder wettbewerbsfähiger werden. Genau darin liegt der strategische Hebel von Industrial AI: Es geht nicht nur um die Effizienzsteigerung in einem einzelnen Prozess. Es geht um die Frage, wo in Zukunft Wertschöpfung stattfindet.
 

Sicherheit gehört von Anfang an dazu

Je stärker wir Wirtschaft, Verwaltung und Industrie digitalisieren, desto wichtiger wird die Sicherheit. Auch das wurde auf der DIGITAL X konkret.

Wir haben dort erstmals öffentlich unsere Drohnendetektion live gezeigt. Mittels Radiofrequenz lassen sich Drohnen und ihre Piloten lokalisieren. Je nach Schutzbedarf können Video-, Audio-, Remote-ID-Sensoren oder Radar eingebunden werden. Die Informationen werden sicher vernetzt und zu einem Lagebild zusammengeführt.

Das Beispiel zeigt, was wir unter einem Ende-zu-Ende-Ansatz verstehen: Nicht ein einzelner Sensor löst das Problem. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Detektion, Konnektivität, Datenintegration und Entscheidungsunterstützung. Mit spezialisierten Partnern wie Rheinmetall bündeln wir Kompetenzen, um kritische Infrastrukturen besser gegen unterschiedliche Bedrohungen zu schützen.

Sicherheit, Cloud und KI sind keine getrennten Disziplinen mehr. Je autonomer digitale Systeme handeln, desto wichtiger werden sichere Technologie, klare Governance und Kontrolle.

„Made in Germany“ neu denken

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Eine weitere Frage, die mich beschäftigt: Was bedeutet „Made in Germany“ im KI-Zeitalter? Für mich bedeutet es zunächst Vertrauen. Deutschland steht für Ingenieurskunst, Qualität und Verlässlichkeit. Aber wir dürfen „Made in Germany“ nicht nur mit dem verbinden, was Generationen vor uns aufgebaut haben. Wir müssen Verantwortung für das übernehmen, was vor uns liegt.

Bei KI, Cloud und Digitalisierung sollten wir wieder den Anspruch haben, vorne mitzuspielen: mit sicheren und souveränen Technologien, mit unseren Daten, mit unserem industriellen Wissen – und vor allem mit dem Mut, Dinge umzusetzen.

Die Industrial AI Cloud ist dafür ein Beispiel. Sie bringt KI-Rechenleistung und industrielle Daten auf einer souveränen Grundlage zusammen. Sie schafft Voraussetzungen dafür, dass Industrie, öffentliche Hand und weitere kritische Bereiche ihre digitale Zukunft gestalten können, ohne die Kontrolle über sensible Daten und Prozesse aus der Hand zu geben.

„Made in Germany“ heißt für mich deshalb heute auch: Vertrauen bewahren, Neues wagen und vom Reden ins Machen kommen.
 

Die Industrial AI Cloud ist erst der Anfang

Europa hat vieles von dem, was es für die nächste Phase der KI braucht: starke Industrieunternehmen, hervorragende Forschung, qualifizierte Menschen, wertvolle industrielle Daten und einen großen Binnenmarkt. Was jetzt zählt, sind Skalierung, Geschwindigkeit und Investitionen.

Unsere Industrial AI Cloud ist kein Endpunkt. Sie ist der Anfang. Wir müssen aus einzelnen Anwendungen Plattformen machen, aus Pilotprojekten produktive Prozesse und aus nationalen Initiativen ein europäisches Ökosystem. Genau deshalb unterstützen wir die europäische Ambition, die KI-Infrastruktur massiv auszubauen.

Kein Unternehmen wird den KI-Stack der Zukunft allein bauen. Wir brauchen Technologieanbieter, Industrieunternehmen, Softwarehersteller, Forschung und öffentliche Hand. Partner wie NVIDIA, SAP und Siemens sind deshalb keine Ergänzung unserer Strategie. Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil davon.

Europa muss nicht entscheiden, ob es Innovation oder Souveränität will. Wir brauchen beides.

Die DIGITAL X hat gezeigt, wie viele Technologien dafür bereits vorhanden sind. Jetzt müssen wir sie zusammenbringen, skalieren und in den Alltag von Unternehmen übersetzen.

Unsere digitale Zukunft wird nicht irgendwo entschieden. Wir können sie selbst gestalten. Nur wir müssen es jetzt tun!

CxO-Umfrage – digitale Souveränität in der EU

Lesen Sie in dieser CxO-Umfrage, wie sich die zunehmende Anwendung von Cloud und KI mit digitaler Souveränität in Einklang bringen lässt.

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