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Maschine zum Abfüllen von Medikamenten

Pharma-Logistik 4.0 – Digitalisierung in feiner Dosis

Lesen Sie, wie digitale Technologien die Pharma- und Chemiebranche umkrempeln.

Mit der COVID-19-Pandemie sind mindestens drei Sektoren der Gesundheitsbranche an ihre Grenzen gestoßen: Pharmazeutik, Chemie und Medizintechnik. Unter dem Druck, schnellstmöglich einen brauchbaren Impfstoff zu entwickeln und auf den Markt zu bringen und gleichzeitig die Ausbreitung der Infektion zu begrenzen, benötigten die Akteure für eine Transformation ihrer Prozesse, die normalerweise mehrere Jahre dauert, weniger als 24 Monate. Möglich machten das transformative digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), das Internet der Dinge (IoT), Blockchain, Robotic Process Automation (RPA) und einmal mehr die Cloud.

Zugleich nahm als Nebeneffekt der weltweiten Lockdowns eine andere Entwicklung rasant Fahrt auf: Die Nachfrage nach Online-Apps zur Bestellung von Medikamenten und medizinischen Geräten stieg exponentiell. Die Zahlen sind eindeutig: Einem aktuellen Bericht von Business Wire zufolge hatten die Webseiten der eApotheken in 96 Ländern weltweit im ersten Quartal 2021 mehr als 2,7 Milliarden Zugriffe – ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Natürlich ist es einfach bequem, Medikamente online zu bestellen und sie nach Hause geliefert zu bekommen. Wenn jedoch nicht die richtigen Produkte an den Endkunden geliefert werden, kann das für Unternehmen zum Desaster führen – sowohl zu einem Verlust von Kunden als auch von Ansehen.

Das sind aber nicht die einzigen Probleme.

Logistikansprüche in der Pharma- und Chemieindustrie

Wie für jedes andere Unternehmen ist es auch für die Logistikbetriebe in der Pharma- und Chemieindustrie von höchster Priorität, neue Produkte und Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen vor anderen Wettbewerbern auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, ihr Geschäft schnell auf neuere IT-Ansätze auszurichten, da die großen Logistikunternehmen einem starken Wettbewerb mit technikaffinen regionalen Unternehmen und Start-ups ausgesetzt sind.

Zugleich aber sind Chemie und Pharma die weltweit am stärksten regulierten Branchen. Das heißt: Die Einhaltung der länder- oder regionalspezifischen staatlichen Vorschriften steht an erster Stelle. Dazu gehört auch die Pharmakovigilanz, die sich mit Erkennung, Bewertung, Verständnis und Vorbeugung von arzneimittelbedingten unerwünschten Ereignissen befasst und regelmäßige Audits durch interne und externe Behörden durchführt.

Zu den weiteren Herausforderungen zählen individuelle Dosiervorgaben oder Zyklen der Medikamentenabgabe, eine mitunter mangelnde Transparenz in der gesamten Lieferkette und damit einhergehend das Risiko, dass gefälschte oder abgelaufene Arzneimittel in die Lieferkette gelangen.

Technologisches Denken – die richtige Rezeptur

Unternehmen können diese Herausforderungen mit einer definierten digitalen Roadmap, Strategie und Architektur bewältigen – und so eine digitale Transformation herbeiführen.

Wie etwa die Krankenkasse BARMER heute die Hilfsmittelversorgung ihrer neun Millionen Versicherten in Deutschland aufgestellt hat, ist nur ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung Tempo in ehedem langwierige Prozesse bringt.

Die folgenden Trendtechnologien können Unternehmen helfen, ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein:

  • Rettende Robotik
    Robotic Process Automation (RPA) ist Teil der Supply Chain Automation, die auf der Prioritätenliste von Unternehmen unter anderem mit Blick auf die Automatisierung von Back-Office, Transport und Lager weit oben steht.
    In Zeiten, in denen physische Distanz quasi zum Gebot wird, kann vor allem RPA die Integration der Bestellsysteme und damit einen „No-Touch“-Prozess vom Eingang der Bestellung bis zur Bestätigung ermöglichen. Aber noch wichtiger ist, dass RPA sich wiederholende, transaktionale Prozesse übernehmen kann – sowohl in Produktionslinien als auch in der Lieferkette. Weitere wichtige Vorteile sind Versandverfolgung und -kontrolle, Bestandskontrolle, Beschaffungsmanagement, Angebots- und Bedarfsplanung, Qualität und Compliance sowie die fehlerfreie Übertragung von Dokumenten.
  • Die Empfehlungen des Arztes: KI & Analytik
    Der nächste neue Technologieakteur ist die künstliche Intelligenz.
    In einem zeitkritischen Bereich wie der Pharma- und Chemiebranche können künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) ein nahtloses Logistikmanagement und eine schnellere Markteinführung ermöglichen. Kognitive Automatisierung, angetrieben durch KI und ML, kann im Vergleich zu traditionellen Werkzeugen und menschlicher Entscheidungsfindung erhebliche Verbesserungen beim Datenzugriff und der Rechenleistung bringen.

Unternehmen können die Versandkonsolidierung und die Bedarfsprognose mithilfe von KI und Analytik vorantreiben, um Versandmuster und die Auswirkungen externer Bedingungen zu erkennen und so termingerechte Lieferungen und eine proaktive Ausnahmebehandlung zu unterstützen.

Predictive Analytics von Versanddaten kann die richtige Auswahl von Transportwegen ermöglichen, Transportkapazitäten verwalten, Ausfallwahrscheinlichkeiten ermitteln und genaue Vorlaufzeiten bereitstellen.

Unterstützt werden Unternehmen durch die Konsolidierung und Analyse von Ergebnissen der internen und externen Qualitätsaudits von allen Pharmakunden bei einem effizienten Qualitätsauditprozess für 3rd Party Logistics (3PL).

Die Kontrolle behalten

Ein Mann hält einen Scanner und ein Klemmbrett

Werfen wir nun einen Blick auf das Internet der Dinge (IoT), seine industrielle Variante Industrial Internet of Things (IIoT) und die Blockchain.

Das IoT hilft, ein vernetztes Ökosystem für Pharma- und Chemieunternehmen zu schaffen, indem es sicherstellt, dass jedes Gerät, jede Maschine und jeder Prozess mit einem Datenkommunikationssystem verbunden ist. Verknüpfte Sensoren können die Geräteleistung tracken und die Mitarbeiter auf eine mögliche Störung aufmerksam machen, bevor es zu einem mechanischen Ausfall kommt.

Hochsensibel sind auch Temperaturschwankungen, die die zumeist wärmeempfindlichen Medikamente und chemischen Produkte beschädigen. Bei Moderna oder BioNTech, AstraZeneca oder Johnson & Johnson war die Aufrechterhaltung der einzelnen Kühlketten für COVID-19-Impfstoffe von großer Bedeutung, damit dem Patienten die Impfstoffe „auf den Punkt“ verabreicht werden konnten.

So wurde deren weltweite Verteilung ein logistisches Mammutprojekt. In diesem Sinne kann Pharma IoT mehr Transparenz in Produktion, Lagerung und Transport von Medikamenten bringen. Dazu kommen Sensoren zur Kontrolle von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht, Strahlung, CO2-Gehalt und anderen kritischen Faktoren zum Einsatz. Mit dem IoT-Framework können auch Berichte über Konformitätsabweichungen nahezu in Echtzeit erstellt werden.

Aber erst die Blockchain im IoT-Mix sorgt auch für die notwendige sichere Abdeckung. Die Kühlketten in der Pharma- und Chemieindustrie erfordern den Austausch sensibler Informationen zwischen mehreren Beteiligten. Die Blockchain kann einen sicheren Mechanismus für diesen Informationsaustausch zwischen dem Hersteller, dem Logistikpartner und dem Kunden anbieten.

Die Blockchain kann auch dazu beitragen, Fehler bei zeitkritischen Aufgaben zu vermeiden, zum Beispiel bei dem environmentalen Tracking, der Medikamentenüberwachung und -kontrolle (Verhinderung von gefälschten Produkten in der Lieferkette) sowie bei proaktiven Maßnahmen zur Vermeidung von Produktschäden. 

So war es zum Beispiel ein IoT-Service-Button, mit dem T-Systems einem der  größten Chemieproduzenten der Welt half, auf Automatisierung umzusteigen und seinen Logistikprozess „Milk-Run“ im eigenen IoT-Ökosystem zu verkürzen. Die Herausforderung für das Unternehmen: Es fehlte ein geeignetes Steuerungssystem, um die Abhol- und Lieferstellen innerhalb der Fabrik zu verwalten; die Abfolge der Ladepunkte, die von den Zugmaschinen gesteuert wurde, war nicht standardisiert. Darüber hinaus waren die in Betracht gezogenen Alternativen zu komplex und erforderten hohe Investitionen.

Die Lösung war der IoT-Service-Button von T-Systems. Zu den Vorteilen für den Kunden gehörten hohe Flexibilität im Betrieb und eine einfache Plug&Play-Lösung aus einer Hand (Konnektivität, Geräte und Plattform). Aufgrund der Datenübertragung via Mobilfunk und der langen Batterielaufzeit bestand keine Abhängigkeit von Strom und Unternehmensnetzwerken. Außerdem bot die Lösung Hotline-Support für alle Partner und eine einfache Integration über eine App für Fahranweisungen. Vor allem aber konnte der betreffende Milk-Run-Prozess verkürzt, effizient in Echtzeit gesteuert und vollständig transparent gestaltet werden.

Fazit

Nirgendwo ist der Handlungsdruck wegen der globalen Pandemie so hoch wie in der Pharma- und Chemieindustrie. Allein der Wunsch nach schnellstmöglicher Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen bewirkte eine große Wende für die Gesundheitsindustrie und die Behörden. Eine Branche, die in der Regel bei der Einführung neuer Technologien langsam gewesen ist, musste mehrere Technologiesprünge bewältigen, um die sich ständig ändernden globalen Bedingungen zu überstehen – und um zu zeigen, worauf die Menschen auf der ganzen Welt auch heute noch ihre Hoffnungen setzen: „Wenn es darauf ankommt, werden wir liefern.“ 

Die Krise ist noch nicht vorbei. Doch mit neuen Akteuren auf dem Markt, technologischen Innovationen, die an Geschwindigkeit gewinnen, und erleichterten Abläufen im regulatorischen Umfeld werden die Herausforderungen auf dem Weg der Industrie überschaubarer. Aus Sicht der Anbieter von Arzneimitteln, Chemikalien und Medizintechnik ist eines klar geworden – trotz der vielen Unbekannten, die noch auf sie warten werden: Zukunft ist machbar. 

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Über den Autor

Sandip Dalvi ist Branchen Experte für Travel, Transport und Logistik bei T-Systems. Er verfügt über 11 Jahre branchenübergreifende Erfahrung im Bereich der Lieferkettentechnologie.

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