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Ein abstraktes Stadtbild aus lilafarbenen Kästen und Linien

Perlen der Mobilität: ITS-Kongress in Hamburg

Sicher, nachhaltig und effizient: Der ITS World Congress 2021 in Hamburg gibt Einblicke in die spannende Zukunft der Mobilität.

Morgens, wenn der Wecker klingelt, gleicht unser Smartphone den Kalender mit der aktuellen Verkehrslage ab und teilt uns die Uhrzeit mit, zu der wir am besten losfahren, um pünktlich und ohne Stau im Büro zu sein. Dort angekommen, sucht sich das Elektroauto aus dem Carsharing-Pool selbständig einen Parkplatz und lädt auf. Zur Mittagspause fahren wir mit dem e-Scooter zum Bäcker, am Nachmittag geht’s mit dem ÖPNV und dem Leihrad zum Kunden in der Innenstadt, wo man herrlich und gefahrlos auf den breiten Wegen radeln kann. Und zum Feierabend wartet draußen bereits ein Fahrzeug darauf, uns wieder sicher und autonom nach Hause zu bringen.

Während manche von einer so geschmeidigen Fortbewegung im urbanen Raum noch träumen, arbeitet man in Hamburg seit fünf Jahren fieberhaft an der Umsetzung. Eine deutsche Stadt als Vorbild für moderne Mobilität? In einem Land, das seine Autofahrer traditionell mit Samthandschuhen anfasst? Noch dazu Hamburg, lange Zeit national führend in Sachen Dauerstaus und gesundheitsgefährdender Emissionen? Wer so denkt, hat der Hansestadt zwischen dem 11. und 15. Oktober 2021 einen Besuch abgestattet.

Experience Future Mobility Now

Eine Straßenkreuzung mit mehreren Autos, die alle jeweils ein hellblauer Kreis umgibt

Die globale Notwendigkeit, neue Mobilitätskonzepte für Ballungszentren zu entwickeln, traf in der Modellstadt mit der Ausrichtung des diesjährigen ITS World Congress zusammen – da wollte man vom autonom fahrenden Bus über Mobility-as-a-Service-Angebote bin hin zum optimierten Warenverkehrsfluss im Hafengebiet auch etwas vorzeigen. Und zwar nicht nur innerhalb des 30.000 Quadratmeter großen Kongressgeländes, sondern in der ganzen Stadt: Auf vier Demo-Touren konnten Besucher mit E-Bussen, S-Bahnen und Fähren durch die Innenstadt, die Hafencity und den Containerhafen fahren und sich selbst ein Bild von den Mobilitätslösungen von morgen machen. Seit fünf Jahren hat Hamburg sich unter dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher auf diesen Moment vorbereitet. Und es ist keine Frage, dass er als Mediziner sich wünscht, „dass viele Kongress-Projekte über die Veranstaltung hinauswirken.“ 

Der Kongress, der 2021 erstmalig in der Elbmetropole stattfand, beschäftigte sich wie jedes Jahr mit den namensgebenden „ITS“ – intelligent transport systems and services. Unter dem Motto „Experience Future Mobility Now“ traf sich das Who is Who der Mobilitätsbranche: 400 Ausstellende aus den Bereichen Verkehr, Logistik und IT präsentierten ihre Ansätze, bis zu 15.000 Besucher aus rund 100 Ländern wurden erwartet. Am 14. Oktober war der ITS für Publikumsverkehr geöffnet. Aus den 172 ITS-Projekten hatte die Stadt 42 „Ankerprojekte“ mit besonderer Strahlkraft auserkoren. In vielen davon spielen die Lösungen von T-Systems und der Telekom als Technologie- und Telekommunikationsanbieter eine wichtige Rolle. Ein Messestand der Deutschen Telekom gab Einblick in die eigenen Entwicklungen rund um intelligente Mobilität und vernetzten Verkehr.  

Verkehrswende gegen den Klimawandel

Spätestens die Hochwasser-Katastrophe im Juli hat auch den Menschen in Deutschland wieder vor Augen geführt, wie real der Klimawandel ist. Es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert. Die Rechnung ist einfach: Um Schadstoffe in urbanen Zentren und Ballungsräumen zu reduzieren, müssen auch die Ursachen bekämpft werden. 800.000 Autos gibt es in Hamburg, hinzu kommt der Hafenbetrieb, der für knapp ein Drittel der städtischen Emissionen verantwortlich ist. Einerseits besteht also Handlungsbedarf beim Warentransport, zum anderen muss die Stadt das Autothema angehen.

Die ITS-Strategie ist gleichzeitig eine Klimastrategie: Bis 2030 soll die Innenstadt nahezu autofrei sein. Hier in Deutschland, bei unserer Bindung zum Pkw? Wer da etwas verändern und die Akzeptanz der Nutzenden gewinnen will, muss besonders tief in die Innovationskiste greifen und wirkliche Alternativen zum eigenen Auto bieten.  

Eine Viertelstunde bis zum Ziel

Zum Beispiel Carsharing-Modelle und einen funktionierenden Nahverkehr. Lange Zeit war die Verkehrspolitik stark auf das Auto fixiert. U- und S-Bahnen wurden in den Planungen meist außen vorgelassen, obwohl sie die leistungsfähigsten aller Verkehrsträger sind. Das wird sich nun ändern. Statt jedoch ein neues Silo zu erschaffen, setzt moderne Mobilität auf ein lückenloses Angebot und eine intelligente Infrastruktur für einen optimierten Verkehrsfluss. 

Nicht länger als 15 Minuten soll es 2030 in Hamburg noch dauern, innerhalb des Stadtgebiets von A nach B zu gelangen – egal, wo A und B liegen. Indem alle Mobilitätsangebote wie ÖPNV, Carpool, Leihrad, E-Scooter oder Shuttle vernetzt sind und miteinander kommunizieren, lassen sich nahtlose Verbindungen herstellen: Mobility as a Service. Eines nicht allzu fernen Tages, so die Erwartung, werden Fahrpläne überflüssig sein, weil immer ein Verkehrsmittel fährt, zu jeder Zeit.

Öffentlicher Personenverkehr 2.0

Mehr als 300.000 Menschen pendeln jeden Tag beruflich nach Hamburg.

Ein hohes Passagieraufkommen stellt besondere Anforderungen an die Taktung, auch über das Stadtgebiet hinaus: Mehr als 300.000 Menschen pendeln jeden Tag beruflich nach Hamburg. Wenn Verspätungen und Ausfälle die Folge der Verkehrswende wären, würde das die Aussichten auf Erfolg vermutlich drücken. In diesem Sinne ist die Erhöhung der Quote des Öffentlichen Personenverkehrs (ÖPV) ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der Klimaziele des Verkehrssektors. Neben der Kapazitätssteigerung ist die Sicherstellung einer hohen Qualität des ÖPV Grundvoraussetzung, um dies zu erreichen. IT-Systemen zur entsprechenden Planung und Steuerung kommt eine besondere Bedeutung zu.

Eine spannende Lösung für die Leitstelle kommt aus dem Ruhrgebiet: Die Verkehrsunternehmen der Städte Dortmund, Bochum, Herne und des Ennepe Ruhrkreis nutzen ein gemeinsames, mandantenfähiges ITCS (Intermodal Transport Control System). Dieses erfasst sämtliche Bewegungen von Bussen und Bahnen in Echtzeit, optimiert Anschlüsse und versorgt die Anzeigen und Fahrzeuge mit dynamischen Fahrgastinformationen. In der aktuellen Erweiterung wurden vor allem die Themen Schienenverkehr und Elektrobusse adressiert, sodass diese optimal in die Betriebssteuerung integriert sind.

Computer Vision findet zunehmend Einzug in den ÖPV. Die Bilder der in vielen Bussen und Bahnen bereits vorhandenen Kameras werden „on the Edge“ mit Machine-Learning-Technologien analysiert. So werden beispielsweise das Fahrgastaufkommen mit Umsteigerelationen und die Sitzbelegung ausgewertet und akute Gefahrensituationen automatisch erkannt. Die Datenanalyse findet nicht zentral in der Cloud statt, sondern direkt dort, wo die Daten erfasst werden. In diesem Falle also direkt im Fahrzeug. Das beschleunigt die Datenverarbeitung, reduziert zu übertragende Datenvolumina und stellt so die gewünschten Informationen nahezu in Echtzeit zur Verfügung. Dabei ist der Datenschutz ein hitziges Thema: Die eingesetzte Technologie kommt ohne Speicherung von Bildmaterialien aus, da diese direkt ausgewertet und nur relevante Informationen übertragen werden. Dadurch bleiben die Persönlichkeitsrechte gewahrt. 

Auch für Verkehrsunternehmen und Leitstellen ändern sich die Zeiten: Mit dem „Live Dashboard“ haben die Angestellten alle relevanten Infos auf einen Blick – und zwar nicht nur in der Leitstelle, sondern auch am Office-Computer, auf dem Smartphone oder dem Tablet. Und so schlank wie möglich: Der Fokus liegt auf den Fahrplanabweichungen und Krisenherden im Netz, so dass ein schnelles Handeln möglich ist. 

Lösungen wie die am Messestand der Telekom vorgestellten verbessern die Qualität und Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs und tragen dazu bei, mehr Menschen von der Nutzung des ÖPV zu überzeugen.

Wieder wohlfühlen auf dem Radweg

Ein pinker, freier Radweg neben einer sehr befahrenen Straße

Radfahren ist die umweltschonendste Art der Fortbewegung – jedoch nicht die ungefährlichste: 426 Radfahrer verloren 2020 im deutschen Straßenverkehr ihr Leben. Und Hamburgs Radwege haben nicht den besten Ruf. In einer ADAC-Studie aus dem Jahr 2017 wurden sie im bundesweiten Vergleich für ihre Enge und ihren maroden Zustand kritisiert. Das gefällt Anjes Tjarks gar nicht: „Menschen von 6 bis 99 Jahren sollen sich auf unseren Radwegen wohlfühlen“, so Hamburgs Verkehrssenator in einem NDR-Interview über die Pläne bis 2030. Dafür werden Radwege verbreitert und von den Wegen für Autos getrennt. 

Um die Sicherheit zusätzlich zu steigern, entwickelt die Telekom gemeinsam mit der Continental AG eine Technologie zur Kollisionswarnung und dem Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, E-Scooter- und besonders stark von Unfällen betroffenen Radfahrern. Die Grundlage in diesem vom BMVI geförderten Projekt bilden GPS-Daten und Sensoren. Um für die jeweils folgenden fünf Sekunden die Wege von Autos und Fahrrädern vorausschauend zu berechnen, werden deren Daten in die Cloud gesendet. Kollidieren die absehbaren Wege zweier Fahrzeuge, sendet die Collision-Warning-Lösung per Mobilfunk ein Signal ans Smartphone der Verkehrsteilnehmer. So etwas muss blitzschnell gehen – 5G bietet hierfür die idealen Voraussetzungen. 

Auf dem ITS World Congress wurde die Collision Warning-Lösung mit der von T-Systems entwickelten App „Traffic Light Assistant“ gezeigt. Fahrrad-, e-Bike und e-Scooterfahrer erhalten Phasen- und Prognoseinformationen der Lichtsignalanlagen in der Hamburger Innenstadt. Dadurch wird der Komfort und Verkehrsfluss erhöht und umweltschonenden Verkehrsteilnehmern an ausgewählten Kreuzungen Vorrang gewährt. Ein weiteres Argument, um aufs Zweirad umzusteigen!   

Das Auto als Teil der Lösung

Stau in Hamburg.

Die Herumkurverei für eine freie Parklücke ist nicht nur nervig, sondern auch umweltschädlich: Sie macht 30 bis 40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs aus. Das kann verbessert werden, indem die Parkplatzsuche digitalisiert wird. Die Telekom hat im Hamburger Stadtgebiet rund 1.000 Sensoren auf öffentlichen Parkplätzen an der Straße installiert, die Daten zu dem jeweiligen Parkraum im Testgebiet gewinnen. Gemeinsam mit dem Projektpartner Parknav werden weitere Daten hinzugefügt, um erstmals eine Sicht auf den Zu- und Ablauf der Parkfrequenz zu erhalten. Über ein Dashboard können die Stadt und Verkehrsunternehmen diese Daten abrufen und Nutzern zur Verfügung stellen. Die Stadt kann dieses Dashboard erweitert nutzen und so erkennen, zu welcher Uhrzeit in welchen Straßen ein besonderer Bedarf besteht. Auch der Missbrauch von Sonderstellplätzen, etwa für Menschen mit Behinderung, wird konsequent angegangen.  

Dies ist zumindest solange nötig, bis das Parken automatisch erfolgt, ohne unser Zutun: Automated Valet Parking ist ein fahrerloser Parkservice, den Autofahrer in Verbindung mit einer App nutzen können. Man sagt dem Fahrzeug, wohin man will, lässt es die Route planen, fährt zum Ziel und steigt aus – den Rest erledigt das Auto allein. Über einen T-Systems-Server erfährt es, wo ein Parkplatz frei ist, nutzt ihn und schickt die Info aufs Smartphone. Via Pickup-Service und GPS-Ortung funktioniert dieser Vorgang auch in die andere Richtung. 

Um das urbane Klima nachhaltig zu verbessern, ist längerfristig der Weg zu einer fast autofreien Innenstadt unvermeidlich. Ein Meilenstein dorthin: die intelligente Stadtmaut. Anders als zeitabhängige Mautsysteme, die Vielfahrer begünstigen und von den meisten als ungerecht empfunden werden, realisiert die T-Systems-Lösung die anlassbezogene Mauterhebung und nutzt dafür Smartphone-Apps oder fahrzeuginterne Technologien. Straßennutzungsgebühren fallen dann auf Basis von Faktoren wie der zurückgelegten Strecke, der Aufenthaltsdauer, dem Fahrzeugtyp oder der Emissionsklasse an und sind nicht mehr für alle gleich hoch. Auch für Lkw lassen sich in Zukunft mit den intelligenten T-Systems Road User Services streckenabhängige Straßennutzungsgebühren im Stadtgebiet erheben. 

Beim Transport von Waren bestehen nicht dieselben Möglichkeiten wie im Bereich des Personenverkehrs – von der Abwicklung leichtgewichtiger und in geringer Anzahl vorhandener Produkte via Drohne mal abgesehen: Die großen Räder müssen rollen, um unsere Versorgung sicherzustellen. Aber es ist effizienter und umweltschonender möglich.

Wettbewerbsvorteile im Warenverkehr

Gueterverkehr.

Bezüglich der Luftverschmutzung durch den Schiffsverkehr ist Hamburg noch machtlos – im drittgrößten europäischen Seehafen legen jährlich rund 3.500 Containerschiffe und 200 Kreuzfahrtschiffe an und produzieren Unmengen an Feinstaub, Stickoxiden und weiteren Schadstoffen. Der Verkehr dagegen lässt sich in den Griff kriegen. 40.000 Lkw-Fahrten pro Tag fielen vor Projektstart in Hamburg allein mit Schwerpunkt auf den Containerverkehr an. Um diese so effizient wie möglich zu gestalten, optimieren die Stadt Hamburg und die Hamburg Port Authority (HPA) nun im Ankerprojekt 5G-LOGINNOV den Verkehrsfluss im Hafengebiet. 

Die niedrigen 5G-Latenzzeiten machen den Einsatz von automatisiert fahrenden Platoons im Projekt 5G-LOGINNOV möglich. Platoons sind eine Art digitaler Fahrgemeinschaften, die die Lkw im Hafengebiet bilden und die untereinander kommunizieren. Das Leitfahrzeug ist mit dem Grüne-Welle-Assistenten 5G-GLOSA (Green Light Optimum Speed Advisory) ausgestattet und kann das Fahrtempo aller Fahrzeuge im Platoon bestimmen, so dass sich die Grünphasen stets optimal nutzen lassen. Dadurch müssen Lkw weniger bremsen und neu anfahren, wodurch weniger Schadstoffe in die Umwelt gelangen – die Emissionen sollen um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Mit der T-Systems-App „Low Carbon Mobility Management“ (LCMM), die den Kraftstoffverbrauch misst und die Emissionen ermittelt, lässt sich die CO2-Menge pro Kilometer ermitteln und aktiv herunterschrauben. 

Mobilität als Mindset

Alle Lösungen leben von der Digitalisierung des Verkehrs, Technologien wie Edge und Cloud Computing, Sensorik und nicht zuletzt 5G, das in Bezug auf Echtzeit-Konnektivität ein echter Gamechanger ist. Ob die Lösungen greifen und die gewünschten – dringend nötigen – Veränderungen in der Mobilität herbeiführen, hängt letzten Endes von uns ab. Denn Veränderung kann nur von innen heraus erfolgreich sein. Vor der Pandemie und der Hochwasser-Katastrophe zeichnete sich beim „Mobilitäts-Mindset“ ein gespaltenes Bild: Bei einer Umfrage aus 2019 unter mehr als 1.000 deutschen Verkehrsteilnehmern gaben 36 Prozent an, keine Notwendigkeit zu sehen, ihr persönliches Mobilitätsverhalten zu verändern. Aktuell geben unter mehr als 3.000 von Statista Befragten 61 Prozent an, dass es ihnen wichtig ist, ein eigenes Auto zu besitzen. 37 Prozent empfinden das öffentliche Verkehrsnetz in ihrer Region als gut. Nur 27 Prozent würden gerne auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umsteigen. Die Lösungen, die Telekom und T-Systems auf dem ITS vorstellen, werden zu einer noch positiveren Einstellung gegenüber modernen Mobilitätslösungen beitragen. 

Wir freuen uns auf Ihr Projekt!

Gern stellen wir Ihnen den passenden Experten zur Seite und beantworten Ihre Fragen rund um Planung, Implementierung und Wartung Ihrer Digitalisierungsvorhaben. Sprechen Sie uns an!

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Über den Autor

Thomas van Zütphen bewegt sich schon lange innerhalb der IT-/TK-Branche und übernimmt in diesem Zusammenhang die Rolle des Chefredakteurs für das T-Systems Kundenmagazin futurepractice (früherer Name „Best Practice“) seit 15 Jahren.

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