Aufnahme von oben zeigt Laptop, Tablet und Smartphone auf dem Schoß einer Frau

Prepaid-Strom statt Abschlagszahlung

Die Alternative zu Abschlagszahlungen und Nachzahlungen ist Prepaid-Strom. Das Billing-System kommt aus der Cloud.

„Uuuuund – Licht bitte!“

Unter der Regie ihrer Start Up-Tochter „EnergieRevolte“ führen die Stadtwerke Düren innovative Strom-Zahlungsmodelle in den Markt ein. Für die Branche ein Systemwechsel. Möglich macht die Pioniertat das Cloud-Billing von T-Systems.

Bild von André Jumpertz, Gründer und Revolutionsanführer der Start Up-Tochter EnergieRevolte

André Jumpertz, Gründer und Revolutionsanführer der Start Up-Tochter EnergieRevolte

Mobilitätsangebote von DriveNow, das gemietete Smart-TV vom Elektronikhändler oder das Babykleidung-Shareprogramm vom Kaffeeröster – der Trend, den Kauf eines Produkts durch einen Service zu ersetzen, ist längst beim Endkunden angekommen. Warum also, dachte sich André Jumpertz, „sollten wir diese Flexibilität mit dem Kerngedanken ‚Pay per Use‘ nicht auch bei uns anbieten?“ Das allerdings war 2017, und der Rheinländer arbeitete im Management der Stadtwerke Düren. Ganz konkret bei deren Tochter Leitungspartner GmbH. Jumpertz‘ Idee: Auch Kunden eines Energieversorgers bezahlen ihren Strom, wenn sie ihn brauchen, wenn‘s gerade passt und so, dass am Jahresende weder Rückzahlung noch Nachzahlung ins Haus stehen. 

„Für die Stadtwerkewelt“, formuliert der Manager diplomatisch, „war der Gedanke damals wohl noch zu innovativ.“ Zu forsch, zu fremd, zu fortgeschritten. Eine Energierevolte quasi. Denn seit Menschengedenken, wie man so sagt, zahlen die – aktuell 42 Millionen – Haushalte in Deutschland ihren Stromverbrauch nahezu alle nach dem gleichen Modell: Abschlagszahlung monatlich und jährlich einmal Kassensturz. 

Doch Jumpertz ließ sich nicht beirren. Und andererseits, so die Überlegung seines Arbeitgebers, hatte die Idee was: Die Stadtwerke Düren als First Mover unter Deutschlands 1.151 Strombietern. Mit einem halben Dutzend Kollegen aus unterschiedlichsten Bereichen nahm Jumpertz die Arbeit auf. Mit dem Ziel, einen Prototypen bis zur Marktreife zu entwickeln – Strom zum Aufladen per App, als modernes digitales Produkt, jederzeit online zu steuern. 

Das Kundenrecht auf Selbstbestimmung

„Wir glauben, dass Kunden selbst entscheiden sollten, wann sie wie viel Strom kaufen und wie sie ihn bezahlen“, erklärt Jumpertz. „Und dass sie ohne großen Aufwand den Überblick behalten sollten, wie viel sie verbrauchen. Nur so richtet sich Strom nach den Bedürfnissen seiner Verbraucher und lässt sie nicht plötzlich im Dunkeln sitzen“. 

Triebfeder des Dürener Projekts ist nicht zuletzt eine Entwicklung, die jährlich im Monitoringbericht der Bundesnetzagentur auftaucht. Danach wurde im vergangen Jahr 380.000 Haushalten der Strom abgestellt, weil sie ihn irgendwann einmal schlichtweg nicht mehr bezahlen konnten. Wie in vielen Ländern Europas fallen Haushalte, die mehr als zehn Prozent ihres Netto-Einkommens im Monat für Strom aufbringen, auch in Deutschland unter die Energie-Armutsgrenze. „Menschen, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben.“, so Jumpertz, „Eine überraschende Nachzahlung von 100 Euro kommt dort mitunter einem Genickbruch gleich“. Wird die Forderung nicht liquidiert drohen dem Kunden: Zählersperrungen, Plombe drauf und 150 Euro on top. An Kosten und Gebühren wohlbemerkt. 4,9 Millionen solcher „Androhungen der Deaktivierung“ haben die Stromversorger bundesweit 2019 verschicken müssen. Für Jumpertz steht fest: „90 Prozent davon wären vermeidbar“. Und die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre scheint ihm Recht zu geben. 

Was quasi als Guerillatruppe startete wurde 2018 ein eigenes Unternehmen. Seither tritt die „EnergieRevolte GmbH“ mit dem Geschäftsführer André Jumpertz als 100prozentige Tochter der Stadtwerke Düren an, „das Thema Prepaid-Strom auf breiter Fläche in den Energiemarkt zu führen“. Dem siebenköpfigen Start Up auf dem Campus der Digital Church in Aachen geht es auch darum, das Stromvermarktungskonzept Prepaid-Strom salonfähig zu machen. „Als Standardprodukt wie im Mobilfunk und weg vom Image des Arme-Leute-Produkts, für das man sich schämt“.

Push-Nachrichten warnen vor Ebbe auf dem Konto

Mit der EnergieRevolte-App können Kunden je nach Wunsch stündlich, täglich, wöchentlich darüber informiert werden, wie viel Stromguthaben noch zur Verfügung steht und wie viel sie wann verbraucht haben. Statt in Kilowatt-Stunden (KWh) beziffert die App schon auf der Startseite Verbrauchsmengen und Energieguthaben in Euro und verdeutlicht so, wann dem Stromkonto akuter Spannungsabfall droht. 

Praktisch vom ersten Tag an nutzten Kunden der EnergieRevolte die neue Transparenz für ein signifikant aufmerksameres Verbrauchsverhalten. Mit dem Ergebnis, dass sie 13 bis 19 Prozent weniger Strom verbrauchen und bezahlen. Erfreulichste Erfahrung für André Jumpertz ist jedoch, „dass die Zahl der ‚Deaktivierungen‘ praktisch gegen Null geht“. Denn seine Kunden zahlen, wann immer sie Geld haben, via Handy. Sei es der Code von barzahlen.de für die Supermarktkasse, der Link zu PayPal oder die Option des klassischen Giroverkehrs, alles ist auf der Applikation verfügbar. 

Erweiterte Zielgruppe

Für die Stromversorgerbranche ist das ein kompletter Systemwechsel. Mit großen Folgen. Noch immer ist die Hauptzielgruppe des Prepaid-Produktes alle von "Energiearmut" betroffenen Haushalte, die ihr Stromguthaben via App im Voraus kaufen. „Zahlungsverläufe à la ‚Heute ein Fünfer, morgen der Zwanziger vom Kindergeld und nächste Woche 50 Euro von der Oma‘ sind auch ein Spiegelbild der Lebensumstände vieler Menschen“, so Jumpertz. Doch längst reicht die Klientel des jungen Unternehmens über den Hauptfokus hinaus. Studenten zum Beispiel, mit hoher Affinität zum Nutzen statt Kaufen, laden die App ebenso runter wie Eltern, die ihre Kinder mit Ressourcenschonung vertraut machen wollen. Sind in den Kinderzimmern gleich drei von ihnen eingeschlafen – allerdings am Controller vorm laufenden Fernseher – kann die App auf nächtliche Ausreißer in Sachen Stromverbrauch aufmerksam machen. Bevor es die Eltern tun. 

Auch wegen dieser Art Kosten- und Verbrauchsmanagement ist die App aus Düren ein Renner. Anfragen im vierstelligen Bereich, von Aachen bis Hamburg oder Berlin, gilt es für das EnergieRevolte-Team nachzukommen. Auszug, Umzug, Anmeldung als Neukunde, auch das lässt sich in der neuesten Version via App abwickeln. „Wir lernen seit der ersten Stunde am Produkt und entwickeln uns in Sprints immer weiter“, hofft André Jumpertz, dass sich „unser Unternehmen die klassischen StartUp-Mechanismen noch lange erhalten wird“. Wie reagiert der Kunde? Was sind Anforderungen des Marktes? Was hatten wir nicht auf dem Schirm? Was läuft gut, was schlecht? „Bis Mitte vergangenen Jahres haben wir gebraucht, um unsere Kunden und den Prozess kennenzulernen. Das haben wir sehr agil gelöst“, erinnert sich der „Revolte-Chef“. Und dann? – „Dann ging es daran zu lernen, was wir brauchten, um die Lösung wirklich auszurollen“.

Andere Städte – andere Energieversorger

Aufnahme von oben zeigt junge Frau sitzend, auf ihrem Smartpone die App der Energierevolte geöffnet

Anfangs sukzessive, inzwischen eher rasant steigt die Zahl der Stromprovider, die die App der Dürener Stadtwerketochter als White-Label-Produkt in Lizenz einsetzen wollen. Bei deren Kunden für neue Zähler mit Sender/Empfänger-Modem, Breaker und Guthabenzähler zu sorgen, ist Sache der EnergieRevolte. Sie sind zukünftig der Mess-Stellenbetreiber. Doch Lieferant des Stroms bleibt der Grundversorger vor Ort. Das bedeutet, die Prepaid-Lösung der Rheinländer muss mandantenfähig sein. „Dafür haben wir im Re-Design der Software die App mit dem Cloud-Billing-System von T-Systems verbunden, heute so etwas wie das erweiterte Herzstück unserer Lösung“, so Jumpertz. In der Praxis können Strom-Provider nun auch andernorts das innovative Bezahl-Modell anbieten, stellen aber gleichzeitig sicher, dass die Hoheit über ihre Kunden, deren Daten und die eigene Preispolitik bei ihnen bleibt. „Dafür jedoch benötigen Prepaid-Services spezielle Billing-Systeme, um die Vielzahl an Nutzungsdaten in Echtzeit aufzubereiten und diese schnell, automatisiert und wahlweise nach Verbrauch oder Nutzwert gegenüber Kunden abzurechnen“, erklärt Raphael Becker, Business Development Manager Cloud bei der T-Systems. 

Billing-System aus der Cloud

Dabei werden sämtliche Prozesse der Prepaid-Lösung – von der Zähleranzeige über den Payment-Anstoß bis zur Kontoführung – im Backend des Cloud Billing in die darunterliegenden Systeme wie etwa die Zähler-Cloud und die Paymentprovider verteilt, alle Services orchestriert und das jeweilige Feedback sofort eingespeist. Zu dem Zweck stehen umfassende Monitoring-Funktionen zur Verfügung, um die Leistung des Systems zu überwachen und den Umgang mit allen Transaktionsdaten nachvollziehen zu können. Das Subscription Management der Lösung, die T-Systems aus der Open Telekom Cloud des Twin-Core-Rechenzentrums in Magdeburg-Biere anbietet, bildet für EnergieRevolte sämtliche Kundenverträge und Strom-Bestellungen mit Status und Gültigkeit ab. „Diese bilden für unseren Kunden praktisch die Grundlage für jede korrekte, gültige Berechnung aller Fakturapositionen“, so Raphael Becker.  

„Für die EnergieRevolte gab es also mehr als gute Gründe, unser Angebot des ‚Stromtankens wie Benzin an der Tankstelle‘ mit dem Cloud-Billing von T-Systems zu verknüpfen“, bilanziert André Jumpertz das erste Jahr der Zusammenarbeit. Denn zum einen lautet nun weit übers Rheinland hinaus auch bei Stromprovider-Kollegen der Stadtwerke Düren die Rechnung: Keine Forderungen heißt keine Forderungsausfälle. „Das ist Win-Win für Lieferanten und Verbraucher“, so Jumpertz. 

Und zum anderen? – „Das Cloud-Billing der Telekom-Tochter beziehen wir natürlich als Software-as-a-Service (SaaS)“. Bei Unternehmenskunden ist der Trend, den Kauf eines Produkts durch einen Service zu ersetzen, schon viel länger Standard. 

Autor: Thomas van Zütphen
Fotos: Pressebilder EnergieRevolte 

Kontaktieren Sie unsere Experten!

Weitere Fragen zur Cloud-Billing-Lösung? Gerne besprechen wir Ihre individuellen Wünsche und Projekte mit Ihnen.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Anrede
Bitte wählen Sie eine Option aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte wählen Sie eine Option aus.
  • Bitte bestätigen Sie dieses Feld.

* Pflichtfeld

Bitte füllen Sie diese Anfrage zum Spam-Schutz aus.
Besuchen Sie t-systems.com außerhalb von Germany? Besuchen Sie die lokale Website für weiterführende Informationen und Angebote für Ihr Land.