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Smart Parking in Hamburg

23.10.2017

Hamburg löst das Problem der Parkplatzsuche in der Stadt mit dem Smart-Parking-Angebot „Park and Joy“ von T-Systems. Ein Doppelinterview.
Digitales Parken in Hamburg mit dem Smart-Parking-Angebot „Park and Joy“ von T-Systems
Die Suche nach einem freien Parkplatz in jeder Stadt kostet Autofahrern Nerven, Zeit und Sprit und belastet die Städte beim Verkehr und auch mit Abgasen und Staus. Im Rahmen seiner Entwicklung zur Digitalen Stadt geht Hamburg dieses Problem jetzt mit dem digitalen Parkplatzmanagement „Park and Joy“ von T-Systems an. Anette Bronder, Chefin des Digital- und Sicherheitsgeschäfts der Deutschen Telekom, und Dr. Jörg Oltrogge, Geschäftsführer des Landesbetrieb Verkehr in Hamburg, über das neue Parkkonzept der Hansestadt.

Frau Bronder, Herr Oltrogge, wann waren Sie zuletzt von der Suche nach einem Parkplatz genervt?

Jörg Oltrogge: Es war nicht in Hamburg, sondern in einer ganz anderen Stadt, in New York, und ich war sehr überrascht, dass es dort kein smartes Angebot gibt. Auch in San Francisco habe ich nicht das erkannt, was in Studien und Berichten seit längerem berichtet wird, ein wirklich leichtes bedienbares und über ein weites real wirksames digitales Angebot.
Anette Bronder:  Jedes Mal, wenn es nach Stuttgart ins Stadtzentrum geht. Das Ganze mit zwei Kindern, denen jeder Meter einer zu viel ist, macht es nicht angenehmer. Und natürlich sind Herr Oltrogge und ich keine Einzelfälle. Fakt ist: Die innerstädtische Parkplatzsuche behindert den Verkehr, kostet uns alle wertvolle Zeit und Nerven – ganz zu schweigen vom unnötigen CO2-Ausstoß, der dadurch entsteht.

In Hamburg könnten diese Szenarien bald der Vergangenheit angehören – weil smartes Parken möglich wird. Worum geht es bei dem Projekt?

Bronder: Hamburg begegnet dem Problem jetzt mit moderner Technik: Im Jahr 2018 werden wir bis zu 11.000 Parkplätze im öffentlichen Raum und in den Parkhäusern der Hansestadt mit Sensoren ausstatten, die in Echtzeit melden, ob Parkplätze frei oder belegt sind. Über unsere Smartphone-App können sich Autofahrer dann über Parkoptionen in Hamburg informieren, sich dorthin navigieren lassen, Parkplätze minutengenau in Parkhäusern buchen und sie direkt bezahlen – mit dem Bezahlservice ihrer Wahl.
Oltrogge: Wir erfassen systematisch und sehr umfangreich die relevanten Parkstände in Hamburg. Diese Daten legen wir mit den wesentlichen beschreibenden Elementen, so auch den Verkehrsschildern, in eine Verkehrsdatenbank der Stadt ab. Dadurch schaffen wir die Voraussetzung, Parkraum digital zu erfassen – von freien Parkflächen längs der Straße und auch in P&R-Parkhäusern der Hamburger Hochbahn AG. Die verschiedenen Systeme werden wir dann schrittweise so vernetzen, dass man auch die Möglichkeit erhalten wird, auf öffentliche Verkehrsmittel, auf Bus & Bahn umzusteigen, ohne zu viele weitere Clicks und Apps.

Klingt komfortabel, erzeugt aber auch viele zusätzliche Daten. Wie sicher sind diese Daten?

Bronder: Sicherheit ist das A und O bei allen Digitalisierungsprojekten, dazu gehört besonders der Datenschutz. Zunächst: Die Sensor-Belegungsinformationen sind keine personenbezogenen Daten. Die Zahlungsdaten der Kunden wiederum speichern und verarbeiten wir auf einem besonders geschützten Server in unserem deutschen Rechenzentrum – der Datenschutz nach deutschem Recht ist also gewährleistet. Für bestimmte Prozessschritte erheben wir auch Positionsdaten: Diese werden aber nicht mit Personendaten angereichert und nach Verarbeitung des Prozessschrittes gelöscht oder anonymisiert.

Wie schwer ist Hamburg die Entscheidung für dieses Projekt gefallen?

Oltrogge: Letztlich nicht wirklich schwer – weil wir im Rahmen unserer Verantwortung, die wir beim LBV seit dem Jahr 2015 haben, uns systematisch mit dem Thema „Digitales Parken“ beschäftigt haben. Eine von uns angestoßene Studie der Fraunhofer Gesellschaft hat uns den Blick für die technischen Möglichkeiten gegeben und auch die Entwicklungen in Deutschland, Europa und den USA verdeutlicht. Die großen deutschen Automobilhersteller waren bei uns in Hamburg und haben uns ihre Vorstellungen von Digitalisierung, Car-Sharing und Elektromobilität erläutert. Diese Ausrichtungen passen sehr gut in die strategische Zielrichtung des Hamburger Senates und auch des ersten Bürgermeisters, Olaf Scholz. Daher wissen wir, dass das Thema Parken für die Hersteller ein sehr bedeutendes Thema ist, das sehr zeitnah und in einer großen Fläche gelöst werden sollte.

Wie aufwändig waren die Vorbereitungen?

Oltrogge: Doch schon sehr aufwändig, weil das Thema technisch sehr anspruchsvoll ist und die Etablierung in einer großen Stadt mit einem sehr flächengroßen Wirkungsfeld auch entsprechende Vorbereitungen bei Politik und Verwaltung erfordert. Schon die Stromversorgung für die Datensammlung und die Weitergabe der Daten sind besonders schwierig. Aber auch das Datenmanagement ist komplex. Als diese Bedingungen geklärt waren und der erste Bürgermeister auch sein „Go“ gegeben hatte, fiel es uns nicht mehr schwer, für dieses Projekt grundsätzlich grünes Licht zu geben. Und die Entscheidung für T-Systems als Partner war eine strategische – weil dieses Unternehmen in Verbindung mit der Deutschen Telekom neben dem erforderlichen Know-how auch den Atem und die Ausdauer hat, so etwas in Deutschland umzusetzen.
Bronder: Wir wollen einen Ende-zu-Ende-Service fürs Parken anbieten – von der Beratung über die Bereitstellung, den Verbau der Technik und die Entwicklung der App bis hin zur Abrechnung. Ein offener Marktplatz zur Abbildung der Parkprozesse im öffentlichen Raum – für Städte und Kommunen, private Parkplatzbetreiber, Autofahrer oder Anwohner.

Was ist für die Zukunft geplant?

Anette Bronder: Auch zentral gelegene Hotels oder Supermärkte könnten über die Plattform die Nachnutzung ihrer Parkflächen außerhalb der Öffnungszeiten anbieten und selbst zum Parkhaus werden. Quartiersparken in Wohngebieten oder Event-bezogenes Parken an Stadien oder Konzerthallen sind weitere Optionen. Das System hat großes Potenzial. Wir sprechen gerade mit mehreren deutschen Städten über verschiedene Digitalisierungsoptionen, wobei Parken eindeutig die am weitesten ausgereifte Technologie und wo auch der Druck seitens der Bürger am größten ist. Bonn, Darmstadt, Dortmund, Duisburg und Moers wollen „Park and Joy“ nun ebenfalls installieren.
Oltrogge: Digitales Parken ist ein Baustein unserer Strategie „Digitale Stadt“, dem noch zahlreiche weitere Projekte folgen werden. Ich kann mir gut die Übertragung auf das Baustellen-Management vorstellen und die Integration der Sensoren mit NB IoT Technik an den Baustellenbarken und Hinweisschildern. Das neue Parkkonzept ist ein wesentliches Projekt mit einer  Leuchtturmfunktion bei den Intelligenten Transport-System-Projekten (ITS) und wird Hamburg viele Vorteile bringen auch bei der Bewerbung für den ITS-Weltkongress im Jahr 2021. Schluss mit zeitraubender Parkplatzsuche, einer nicht smarten Verkehrssteuerung, dem unnötigen und ungesteuerten Parkplatzsuchen, dem Falschparken und damit unnötiger Lärm- und Abgasbelastung sowie zusätzlichen Staus. Hamburg wird für Bewohner, Beschäftigte, Besucher und Touristen noch attraktiver.