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Ein Auto wird von Robotern gebaut

Wie die Mutter, so die Tochter

Catena-X wird zum digitalen Ökosystem für die europäischen Automobilhersteller. Ein weiteres Großprojekt sorgt dabei für zusätzliche Chancen. 

GAIA-X, Anfang des Jahres von 22 deutschen und französischen Unternehmen offiziell in Brüssel ins Leben gerufen, bezieht sich der Name des Projekts auf die griechische Göttin „Γαῖα“. Sie symbolisiert in der Mythologie die personifizierte Erde und ist eine der ersten Gottheiten, die aus dem Chaos entstand, dargestellt als gebärende Frau.

Die Idee dahinter ist pragmatisch

Basierend auf den Prinzipien von Offenheit und Transparenz soll GAIA-X eine hochperformante, wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa fördern. Ganz ähnlich das Projekt Catena-X: Dieses will mit einheitlichen Standards und gemeinsamen Prinzipien die Produktivität der Automobilindustrie durch sicheren und souveränen Datenaustausch steigern und für mehr Transparenz in den Lieferketten sorgen.

Die Automobilindustrie gilt als einer der wichtigsten Wachstumstreiber der europäischen Wirtschaft. Sie erzielt rund sieben Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union (EU) und bietet fast 12 Millionen Beschäftigten qualifizierte Arbeitsplätze. Doch die Branche entwickelt sich weiter und ihr Geschäftsmodell wandelt sich grundlegend. So müssen Autohersteller und -verkäufer künftig zu Mobilitätsdienstleistern werden. Das führt dazu, dass „Service“ im Kontext von Mobilität in erster Linie auf Abo-Modellen einerseits und Datenzentrierung andererseits basiert. Heißt auch: Umsätze versprechen in der Branche künftig mehr die Daten als die Fahrzeuge. Entsprechend im Fokus der Unternehmen: Compliance und Sicherheit bei der Datenspeicherung und dem Datentransfer innerhalb ihrer transkontinentalen Wertschöpfungsketten. 

Gleichzeitig bedarf es aber nicht nur eines besseren Netzwerks, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und ihre Vorteile über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu nutzen. Vor allem eine Harmonisierung der verschiedenen Mittel und Wege, die den Akteuren geeignet erscheinen, ist notwendig.

Datenaustausch ohne Vertrauensverlust

Doch mangelnde Datenkontinuität über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg ist ein fast schon traditionelles Problem in vielen Branchen. Die Gründe sind vielfältig: individuelle Datenformate und unterschiedliche Protokolle, die zu mangelnder Standardisierung und erhöhter Komplexität führen. Dies wiederum kann den gesamten Prozess fehleranfällig und ineffizient machen. Zudem erschweren unterschiedliche Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen die lieferkettenweite Vernetzung. Zusätzlich wird die effektive Nutzung der Daten eingeschränkt, wenn die beteiligten Unternehmen uneinheitliche Algorithmen verwenden. 

Nicht zuletzt droht ein erheblicher Vertrauensverlust, wenn Unternehmen nicht absolut sicher sein können, dass die von ihnen weitergegebenen Daten nur für die vorgesehenen Zwecke verwendet werden. Der Umgang mit besonders sensiblen Informationen, der neben der Markteinführung neuer Produkte regelmäßig auch geplante R&D-Projekte (Research&Development) betrifft, hat zudem unter anderem auch kartellrechtliche Bedeutung. 

Um an all diesen Stellen verlässliche Sicherheit zu schaffen, haben die späteren Gründungsmitglieder bereits 2019 die Initiative GAIA-X entwickelt. Ziele: geschützte Datenräume auf der Grundlage einer europäischen Dateninfrastruktur aufbauen und alle kritischen Industriesektoren in Europa schützen.

Maximilian Ahrens, Vorsitzender des Board of Directors der GAIA-X-Initiative

In diesem Sinne wollen wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern ein europäisches Datenökosystem aufbauen und damit die europäische Datensouveränität sicherstellen.

Maximilian Ahrens, Chief Technology Officer, T-Systems

Hyperscaler an Bord 

Konzipiert als europäisches Datenökosystem ist GAIA-X dennoch von Beginn an als offenes Cloud-Netzwerk, nicht als geschlossener, rein europäischer Betrieb gedacht. Entsprechend haben sich die Initiatoren auch für außereuropäische Hyperscaler geöffnet, die das Potenzial des Projekts erkennen und dessen Regeln beachten. Ein Beispiel: Google Cloud, deren flexible Bereitstellung enormer Rechenleistung sich mit der Gewährleistung der europäischen Datensouveränität verbinden lässt. Um den notwendigen und geforderten Schutz für GAIA-X-Kunden und -Nutzer zu gewährleisten, hat T-Systems die notwendige Sicherheitsarchitektur entwickelt und zum Gegenstand des Partnerschaftsvertrags mit Google gemacht. 

Mit GAIA-X sind Hochleistungs-Rechenzentren in Bezug auf Standort, Leistung, Qualität und Preis frei wählbar. Die Dienste können von einem Zentrum in ein anderes verlagert werden. Dabei behalten die Nutzer wiederum auch die Datensouveränität. 

Maximilian Ahrens: „Diese Wahlfreiheit ist der erste wichtige Schritt zur Souveränität. Der Kunde kann wählen, mit wem er seine Daten teilt, und behält die volle Kontrolle über den Standort, die Verarbeitung und den Zugriff auf diese Daten. Das sind die europäischen Werte, die die Deutsche Telekom und T-Systems teilen und zu denen sie beitragen.“

In diesem Sinne zeichnen sich erste neue Partnerschaften ab. So arbeitet T-Systems mit dem französischen Cloud-Anbieter OVHCloud an einer rein europäischen, souveränen Cloud. Sie basiert auf der OpenStack-Architektur und richtet sich speziell an die spezifischen Bedürfnisse des öffentlichen Sektors sowie wichtiger Infrastrukturbetreiber und Unternehmen, die in strategischen oder kritischen Bereichen des öffentlichen Interesses tätig sind. 

Ist GAIA-X im Wesentlichen eine allgemeine, quelloffene, souveräne digitale Infrastruktur für Europa, so baut Catena-X wiederum darauf auf und stellt einen spezifischen Anwendungsfall für die Automobilindustrie dar. In einer Weiterentwicklung der GAIA-X-Referenzarchitektur geht es der Branche vor allem um Standards für den digitalen Austausch von relevanten Fahrzeug-, Ausrüstungs-, Logistik- und Mobilitätsdaten. Ziel ist es, auf dieser Grundlage sichere, interoperable und neutrale Unternehmensnetzwerke mit netzwerkbasierten Branchenlösungen aufzubauen.

Dazu haben sich die Mitglieder unter anderem auf einen IDS-Standard (International Data Spaces) geeinigt, der beispielsweise ein föderiertes Design für den Datenaustausch ermöglicht. Dies stärkt das Vertrauen der Partner untereinander, sorgt für gleichberechtigte Zugriffsmöglichkeiten und das notwendige Sicherheits- und Datenschutzniveau. Diese Datensouveränität macht Catena-X zu einem erweiterbaren Ökosystem für alle möglichen Akteure über die Erstausrüster (Original Equipment Manufacturer-OEM) hinaus – so etwa Zulieferer, Händler und Logistikdienstleister. 

Zu den Gründungspartnern des Catena-X-Netzwerks gehören BMW, Deutsche Telekom, Robert Bosch, SAP, Siemens und ZF Friedrichshafen. Inzwischen haben sich weitere Unternehmen der Initiative angeschlossen, darunter die Mercedes-Benz AG, BASF SE, Henkel AG & Co. KGaA, Schaeffler Gruppe, German Edge Cloud GmbH & Co. KG, ISTOS GmbH, SupplyOn AG, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. und ARENA2036 sowie mehrere kleine und mittlere Unternehmen. 

Catena-X: Ein logischer Schritt

Aufzeigen des Partnerkonsortiums von Catena-X, Stand Mai 2021

Die Automotive Alliance wird das Datenökosystem nutzen, um die digitale Souveränität der Akteure in der Automobilindustrie grundsätzlich zu sichern. Dabei blickt die Branche nicht nur auf die zukünftigen Anforderungen an die Nachhaltigkeit ihrer Produkte und die Sicherheit ihrer Prozesse. Längst hat sie auch die Zukunft der Produktion und der darüber hinausgehenden Dienstleistungen – vom Autohaus bis zum Verkauf – im Blick. Die wichtigsten Entscheidungen und Versprechen der Mitglieder von Catena-X betreffen die gesamte automobile Wertschöpfungskette, in der „die gemeinsame Kooperation und Kollaboration in einem offenen Netzwerk den unternehmensübergreifenden Datenaustausch beschleunigen soll“. 

Doch wie sieht das in der Praxis aus? Ein konkretes Beispiel sind durchgängig verknüpfte Datenketten zur Erstellung digitaler Zwillinge von Fahrzeugen. 

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein System, das die Standardisierung und den Zugang zu Daten ermöglicht, wird die Wettbewerbsfähigkeit der Teilnehmer erhöhen, die Gesamteffizienz verbessern und zu den Nachhaltigkeitszielen beitragen. Die Standardisierung von Datenräumen wird es den Unternehmen zudem ermöglichen, fortschrittliche KI- und Automatisierungstechnologien sowie deren Ergebnisse eng mit den realen Anforderungen der Wirtschaft zu verknüpfen. So etwa die Time to market, also die Zeit von der Entwicklung eines Produkts bis zur Produktplatzierung im Markt. 

Länderübergreifende Vernetzung

Weltkarte, die Catena-X Datenräume für europäische Autohersteller zeigt

Das nebenstehende Beispiel verdeutlicht dies: Etliche europäische Automobilhersteller sind auf allen Kontinenten vertreten und haben Produktionseinheiten, Fertigungsstätten und Lieferketten, die länderübergreifend vernetzt sind. Als Mitglied von Catena-X kann jeder OEM sicher sein, dass seine eigenen Ingenieure, die weltweit an demselben Projekt arbeiten, in ihrem Land Zugang zu denselben Daten haben, während gleichzeitig die europäische Datensouveränität gewährleistet ist. 

Das Ökosystem ist ausbaufähig. So ist zu erwarten, dass sich weitere europäische Automobilhersteller aus Italien, Frankreich oder Schweden anschließen und von Catena-X profitieren werden.

KMU: Einstieg in das offene Netzwerk ermöglichen 

Für die Automobilindustrie mit ihrer tendenziell geringen Fertigungstiefe ist es zudem wichtig, auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in ihrer Zuliefererlandschaft den Einstieg in das offene Netzwerk mit sehr geringen IT-Investitionen zu ermöglichen. So sind die eigene Logistik und das Supply Chain Management – neben den Themen Nachhaltigkeit, Instandhaltung und Qualitätsmanagement – ebenfalls definierte Fokusprojekte der Catena-X-Mitglieder.

Vernetzte Dateninfrastrukturen sorgen schon jetzt für Produktivitätssteigerungen. Fortschritte bei der Produktnachhaltigkeit sowie der Widerstandsfähigkeit der Automobil-Lieferkette scheinen in greifbarer Nähe. Künftige Anwendungen werden zudem die Produktion und Entwicklung unterstützen. Dann wiederum werden sichere Datenräume und -netze entscheidend dafür sein, dass die europäische Automobilindustrie die Anforderungen der Datenwirtschaft erfüllt und gleichzeitig ihre Datenhoheit wahrt.

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Über den Autor

Shreesh Tongaonkar ist Content Stratege bei T-Systems. Er verfügt über 16 Jahre Erfahrung in der B2B-Marketingkommunikation und im Schreiben von technischen Texten für Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen ITES, Fertigung, Tourismus und Gastgewerbe sowie KMU.

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