Einen Tag vor dem Start der DMEA, Europas wichtigster Messe für digitale Gesundheitsversorgung, veranstaltete die Deutsche Telekom den vierten Future Health Day. Mit dabei waren die Bundesdatenschutzbeauftragte, der Leiter des Bereichs Digitalisierung im Bundesgesundheitsministerium und viele weitere Gäste. Das Motto: „Daten, KI, Vertrauen“. Für eine Überraschung sorgte Gottfried Ludewig, Leiter Public Sector und Health, Deutsche Telekom AG und T-Systems, der exklusiv die souveräne Patientenakte präsentierte.
Moderatorin Jessica Hanneken eröffnete den vierten Future Health Day in der Hauptstadtrepräsentanz der Bertelsmann Stiftung. Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesundheitssystem waren dabei. Motto: Daten, KI, Vertrauen.
„KI ist die industrielle Revolution unserer Zeit“, sagte Gottfried Ludewig eröffnet mit einem persönlichen Beispiel: „Zwei Drittel der Deutschen nutzen bereits KI – sogar mein 81 jähriger Vater arbeitet mit ChatGPT.“ Für Patientinnen und Patienten ist KI längst angekommen: „Über 50 Prozent suchen KI basierte Diagnose oder Zweitmeinungen.“ Gleichzeitig warnt er vor falschen Priorisierungen: Digital vor stationär vor ambulant greift zu kurz. Entscheidend ist Vernetzung. „Daten, KI, Vertrauen – ohne Vertrauen funktioniert nichts.“ Strukturierte, sichere Daten sind die Basis eines vernetzten Gesundheitssystems.
Ludewig wartete zudem mit einer Überraschung auf. Er präsentierte exklusiv die souveräne Patientenakte „Made in Germany“. Sie steht für Gesundheitsdaten unter europäischer Kontrolle und eine konsequent nutzerfreundliche Gestaltung – als Grundlage für Vertrauen, Akzeptanz und digitale Souveränität im Gesundheitswesen.
Moderne Dateninfrastrukturen als Fundament für eine vernetzte, sichere und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung. Wie interoperable Systeme, KI und offene Standards Versorgung verbessern, Entscheidungsfindung unterstützen und mehr Zeit für Patient:innen schaffen – präsentiert von Stefan Andreatta (synedra IT) und Jens Lotz (UK Gießen). 680 Millionen Datensätze wurden seit 2022 bei der Uniklinik Gießen und der Einführung des Synedra-Systems erhoben. Andreatta brachte es auf Punkt: Daten wollen nicht allein sein. Daten wollen sicher sein. Daten wollen die Welt verbessern.
In der Podiumsdiskussion mit Kornell Adolph (GF, AOK connect), Stefan Andreatta (CEO, synedra IT), Jens Lotz (Leiter IT, UK Gießen und Marburg) und Peter Koop (CEO, Cormeo) wurde deutlich: Heute ist das häufigste Datenformat im Gesundheitswesen noch immer DIN A4 – trotz erster Standards fehlt echte Interoperabilität. „Der CT Befund kommt nicht an, Medikation ist nicht nutzbar – das ist kein Technik , sondern ein Vernetzungsproblem,“ betont Peter Koop (Cormeo). Kornell Adolph (AOK connect) ergänzt: „Patientenwohl muss im Vordergrund stehen. Entwickler sollten den Nutzern über die Schulter schauen, statt parallel an ihnen vorbei zu arbeiten.“
Zahlreiche Partner präsentierten sich beim Future Health Day: PaloAlto (Cybersicherheit), RP Doc Solutions (Arzneimitteltherapiesicherheit), synedra (Health Content Management Systeme) Teton (KI-gestütze Pflegesysteme) und natürlich bei der Telekom-Bereich T Health.
Philipp Müller Abteilungsleiter Digitalisierung BMG verwies auf die Erfolge bei der elektronischen Patientenakte. 1,3 Milliarden E-Rezepte haben demnach inzwischen ihren Weg in die E-Akten der Patienten gefunden. Die EPA habe aber noch viel Luft nach oben, so Müller. Da ist es gut, dass die Telekom zum FHD ihre eigene und obendrein souveräne EPA der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Müller gefiels: „Ich weiß nicht, wer das veröffentlicht hat, könnte ja sein, dass es von T-Systems ausgeht.“ Das BMG sei dankbar über jeden, der die Akte in der medizinischen Versorgung verankert.
Peter Lorenz (SVP Digital Solutions, T-Systems) sprach über AI In Healthcare. Seine Botschaft: Chancen realisieren, Risiken managen. Lorenz unterstrich die Bedeutung künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen für die medizinische Versorgung. KI bringe neue Heilmethoden und entlaste das medizinische Personal. Der Motor für Deutschlands souveräne KI in Healthcare und anderen Industrien sei die Telekom mit ihrer neuen Factory in München. Im folgenden Panel spendierte Peter was zum Staunen und Schmunzeln: Auf der Plattform Moltbook reden nämlich KI-Agenten mit KI-Agenten – über Menschen. Einfach ausprobieren und mal ‚Religion‘ eingeben.
Panel mit Prof. Dr. Ulrike Attenberger (Klinikleitung, AKH Wien), Peter Lorenz, Martin Peuker (CDO, Med. Univ. Lausitz), Simone Schwering (stellv. VV, Barmer), Sabine Zaussinger (Generaldirektor-Stellv., SVS Österreich). Kernbotschaft der Runde: Es gehe bei KI vor allem um Vertrauen. Mitarbeiter müssten sich auf die KI verlassen können. Niemand wolle die KI bei allem kontrollieren müssen. KI entlaste von lästigen Routineaufgaben. Mit dem Argument könne man Mitarbeiter auf die KI-Reise mitnehmen.
Um Vertrauen ging es auch der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider. Die scheidende oberste Datenschützerin der Republik brach dabei eine Lanze für den Datenschutz. Es gehe darum, das Recht auf körperliche Unversehrtheit mit dem Recht auf Datenschutz in Einklang zu bringen. Auf Beides müsste die Menschen vertrauen können. Datenschutz stehe Innovation im Gesundheitswesen nicht im Wege.
Das Abschluss-Panel zu „Digitale Gesundheitswende: Chancen und Risiken“ brachte Prof. Dr. Martin Fiedler (Ärztl. Direktor, Inselspital Bern), Uwe Heckert (COO, T-Systems Health), Prof. Dr. Louisa Specht Riemenschneider (Bundesbeauftragte für Datenschutz und die Informationsfreiheit), Dr. Irmgard Stippler (VV, AOK Bayern) gemeinsam auf die Bühne. Uwe Heckert machte klar, Interoperabilität sei der Schlüssel zum Erfolg. Irmgard Stippler sagte, wenn Digitalisierung Wirkung entfalten solle und wenn wir ein bezahlbares Gesundheitssystem erhalten wollten, müssten alle an einem Strang ziehen. Martin Fiedler ergänzte: „Wir müssen die Patientenjourney ganzheitlich denken.“ Uwe Heckert erinnerte daran, dass vieles in der digitalen Gesundheit für Patienten noch zu kompliziert sei. Er forderte: „Wir müssen die Dinge vereinfachen.“
Zum Schluss gabs ein Danke und Persönliches vom Chef – Gottfried Ludewig: „Für mich die schönste Veranstaltung, ich freue mich das ganze Jahr darauf.“