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Wir helfen, damit sich Deutschland schützen und verteidigen kann

Dr. Ferri Abolhassan im Interview mit Claudia Mahnke vom General-Anzeiger 

20. Mai 2026Dr. Ferri Abolhassan

Nachfrage für jedes Angebot

Die Deutsche Telekom hat zu Jahresbeginn gemeinsam mit dem Partner Nvidia rund eine Milliarde Euro in den Aufbau des KI-Rechenzentrums in München investiert. Ferri Abolhassan, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom und T-Systems-Chef, plant jetzt schon eine Erweiterung. Abolhassan äußert sich im GA-Interview auch zum Ausbau des Verteidigungsgeschäfts und zur staatlichen Deutschland-App. Mit dem Manager sprach Claudia Mahnke vom General-Anzeiger.

Herr Abolhassan, wie ist Ihr Fazit nach den ersten drei Monaten, in denen das KI-Rechenzentrum in München in Betrieb ist?

Es ist gut, dass wir das gemacht haben. Das KI-Rechenzentrum war eine Idee, bei der wir uns schnell entschieden, sie schnell umgesetzt und schnell den Markt entwickelt haben – und der Markt hat direkt zugegriffen.
 

Wie hoch ist die Auslastung?

Deutlich über 50 Prozent. Wir haben dort zwei Arten von Chips für unterschiedliche Anwendungen. Die einen sind stark in der virtuellen Simulation der realen Welt. Die anderen sind die erste Wahl, um KI-Modelle mit großen Datenmengen schnell zu rechnen. Da ist die Nachfrage besonders hoch. Darum wollen wir unsere Kapazitäten an dieser Stelle mit den neuesten Chips von Nvidia ausbauen.
 

Und bei den anderen Chips?

Die sind etwas spezieller. Damit können unsere Kunden Maschinen simulieren, Fabriken virtuell planen und Roboter trainieren. Aber dafür müssen die Projekte der Kunden auch genau definiert werden. Das dauert naturgemäß etwas länger, bietet aber enormes Effizienzpotenzial.
 

Wie konkret sind die Ausbaupläne?

Innerhalb des Tucherparks wollen wir noch einmal deutlich Kapazität erweitern und einige tausend Hochleistungschips zusätzlich installieren. Und wenn die starke Nachfrage anhält, können wir unsere Rechenkapazitäten über weitere Standorte nochmals mehr als verdoppeln.
 

Hat Sie die Geschwindigkeit überrascht, mit der Kunden kamen?

Wir wussten, dass der Bedarf da ist. Ich hätte aber nicht gedacht, dass wir innerhalb von drei Monaten so einen Auslastungsgrad haben und jetzt sogar eine Erweiterung planen. Schön ist, dass es für jedes unserer Angebote Nachfrage gibt. Manche Kunden wollen erst mal die besondere Hardware, die mieten also die schiere Rechenpower. Andere wollen vortrainierte Modelle auf Basis der Chips einsetzen, nutzen also Software. Zudem bieten wir ein Rundum-Sorglospaket aus vortrainierten Modellen mit verschiedenen Diensten an.

Welche Rolle spielen Partner wie SAP und Siemens?

IM-Partner-SAP-Siemens

Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG mit Ferri Abolhassan, CEO T-Systems International GmbH und Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG

Das war ein Glücksfall. Mit SAP und Siemens haben wir zwei starke deutsche Partner, aber mit völlig unterschiedlichen Ausrichtungen. Da beginnt allmählich die Vision von Industrie 4.0 Realität zu werden. Hier steht eine KI-Fabrik und daneben gibt es eine Roboterfabrik. Prozesse werden automatisiert und mit Robotern gesteuert. Damit holt man Wertschöpfung nach Deutschland zurück, weil Unternehmen Waren erzeugen können, die wir vor vielen Jahren an Länder mit ganz anderen Lohnkosten verloren haben. Das Schöne an unserer KI-Fabrik ist ja: Die Daten sind souverän und die Datenverarbeitung ist es auch. Es bleibt tatsächlich alles in Deutschland.

Das Digitalministerium hat einen Prototyp der zentralen Deutschland-App in Auftrag gegeben, der in Kooperation mit Telekom und SAP entwickelt wird. Die App soll zum zentralen Zugang für staatliche Dienste werden, über den Bürger Anträge stellen, Termine buchen und Informationen abrufen können. 

Baukasten für Städte und Gemeinden

Wann liegt der Prototyp vor?

Es gibt intern eine klare Zeitleiste. Der Prototyp wird sehr kurzfristig da sein. Über die tatsächliche Einführung entscheidet dann das Digitalministerium als Auftraggeber. Wir sind ungeduldig, aber zuversichtlich, dass wir gemeinsam schnell eine gute Lösung entwickeln. Wir werden mit unseren Projektpartnern alles dafür tun. 
 

Was ist das Prinzip hinter der Deutschland-App?

Was bisher Formulare, Fristen und Wartezeiten bedeutete, erledigen Sie künftig mit wenigen Klicks. Dafür wird es drei Dinge geben: Erstens einen Baukasten, mit dem Gemeinden und Städte etwas Eigenes bauen können. Zweitens geht es um Lernen und Wiederverwenden. Wenn jemand die Anmeldung zur Hundesteuer programmiert, muss das nicht jede Gemeinde neu erfinden, sondern kann es aus dem Baukasten nehmen. Drittens binden wir früh viele Städte und Bundesländer in Prototypen ein, um die Benutzerfreundlichkeit zu testen und anzupassen. 
 

T-Systems baut das Verteidigungsgeschäft sichtbar aus – etwa mit Rheinmetall. In welche Richtung wollen Sie?

Schutz und Verteidigung ist ein strategischer Kernmarkt – neben dem öffentlichen Sektor und der Gesundheit. Wir sind hier stark aufgestellt. Durch Zukäufe von IFS und Rola, die Sicherheitssoftware herstellen, haben wir früh investiert. Darüber hinaus haben wir langjährige Erfahrung zum Beispiel bei der Drohnenabwehr. Im Auftrag der Polizei haben wir zum Beispiel Spiele der letzten Fußball-Europameisterschaft damit geschützt. 
 

Was bringt T-Systems konkret ein – jenseits von Drohnenabwehr?

Cloudangebote, Cybersicherheit, Software und das Gesamtpaket der Betreuung – zusammen mit der Telekom, die die Netze und Sicherheitselemente beisteuert. Wir bündeln all diese Leistungen und sind der Ansprechpartner für die Kunden.
 

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